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UKJazzNews Release Tipp: Kris Davis and the Lutosławski String Quartet – The Solastalgia Suite

Von Tony Dudley-Evans. Kris Davis ist eine Pianistin und Komponistin, die ursprünglich aus Vancouver stammt, aber mittlerweile in New York lebt. Ihre Hauptgruppen sind ihr hoch angesehenes zehnköpfiges Ensemble Diatom Ribbons und ihr Trio Johnathan Blake und Robert Hurst.

Für dieses Album hat sie jedoch eine achtteilige Suite für das Lutosławski-Streichquartett aus Polen geschrieben, bei der sie selbst am Klavier sitzt. Der Auftrag dafür kam vom Jazztopad Festival in Wrocław. Das Album erscheint auf Davis‘ eigenem, sehr einflussreichen Label Pyroclastic Records.

Der Begriff im Titel der Suite, Solastalgia, bezieht sich auf „die Not, die durch Umweltveränderungen entsteht, die sich auf Menschen auswirken, die direkt mit ihrer heimischen Umgebung verbunden sind“ (*). Hier kommt Davis‘ Besorgnis über die Veränderungen, die sie beobachtet, besonders in ihrem Heimatland Kanada, wo sie das Gefühl hat, dass sich die Verbindung zur Natur radikal verändert hat, deutlich zum Ausdruck.
Das Album präsentiert Davis eher als Komponistin denn als improvisierende Pianistin. Sie spielt eine kleine Rolle als Solistin in mehreren Stücken, ist aber in zwei Stücken, „The Known End“ und dem letzten Stück „Degrees Of Separation“, stark vertreten.
Das Album beginnt mit „Interlude“, einem temporeichen Stück mit positiver Stimmung; Davis spielt kurze Phrasen, die die Streichermelodien untermalen. Danach ändert sich die Atmosphäre mit einer Reihe von Stücken, die Davis‘ Besorgnis über den Klimawandel widerspiegeln. Auf „Interlude“ folgt „An Invitation To Disappear“, das mit einem traurigen Violinsolo beginnt, dessen Stimmung durch Davis‘ Klavier aufrechterhalten wird. „Ghosts Reefs“, ein Titel, der das Verschwinden der Korallenriffe reflektiert, hat eine wehmütige, fast nostalgische Atmosphäre. Die Komposition entstand aus einer Studienphase, die Davis bei Henry Threadgill absolvierte.
Andere Titel hingegen haben einen beunruhigenden und gelegentlich schrillen Ansatz: „Towards No Earthly Pole“ zeichnet sich durch kratzende Klänge auf den Saiten und eine wiederholte Note auf dem Klavier aus, was auf eine Gesellschaft am Rande des Zusammenbruchs hindeutet, während sowohl „The Known End“ als auch „Pressure and Yield“ eine bedrohliche Wirkung auf den Saiten erzeugen. „Life on Venus“ verändert die Stimmung und schafft eine seltsame und eher fremdartige Atmosphäre. Der letzte, viel längere Titel „Degrees of Separation“ spiegelt mit seinen Tempowechseln die Unvorhersehbarkeit der aktuellen Klimasituation wider.

Es wäre jedoch falsch, zu behaupten, dass das Album insgesamt von Untergangsstimmung geprägt ist, denn es gibt auch einen gewissen Optimismus, insbesondere in Davis’ Klavierstücken. Insgesamt ist das Album ein starkes Statement zum Klimawandel, das durch Davis’ kraftvolle Kompositionen für Klavier und Streichquartett zum Ausdruck kommt.

© UKJazzNews, 8.2.2026

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