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Essay „Der lange Atem“ Eine Beschwörung demokratischer Langsamkeit

Von Solmaz Khorsand (DLF). Einen langen Atem zur haben, galt lange Zeit als Garant für Erfolg. Im Alltag, beim Sport, in der Politik. Heute leben wir in Zeiten der schnellen Erfolge und einer Politik der Kettensägen. Gibt es Auswege aus dieser Kurzatmigkeit?

Sie galt als Maßstab fürs Gelingen, eine Politik der kleinen Schritte. Heute geht’s um populistische Maßnahmen, schnelle Erfolge. Das gilt mittlerweile für unsere Kultur im Ganzen: Abnehmspritze statt langwieriger Diät, jäher Beziehungsabbruch als gründliche Auseinandersetzung. Wir leben offenbar in einer Zeit, die das Aushalten verlernt hat.

Doch echter Fortschritt zeigt sich oft nur in kleinen Bewegungen – in Kindern, die ihre Angst beruhigen, in Patientinnen, die nach Wochen erstmals den Kopf heben, in Protesten, die leiser werden und gerade dadurch in Communities Wurzeln schlagen, in Verhandlungen, die sich über Jahre hinziehen, aber am Ende Geschichte schreiben.

Der lange Atem erweist sich auch heute als Fähigkeit, Rückschläge auszuhalten und weiterzugehen, auch wenn nichts spektakulär wirkt. Vielleicht beginnt das Wiederlernen dieser Haltung damit, still auf einer Matte zu liegen und noch einmal einzusetzen: einatmen, ausatmen, und versuchen, dranzubleiben.

Solmaz Khorsand ist Journalistin, Buchautorin und Podcasterin. Sie hat u.a. gearbeitet für die Zeit, derstandard.at, die Wiener Zeitung und das Magazin Republik. 2021 erschien ihr Buch Pathos, 2024 ihre Bücher untertan. Von braven und rebellischen Lemmingen und Unverdächtig. Ein Geständnis. Zudem nahm sie am Artist in Residence-Programm der Kulturhauptstadt Salzkammergut teil.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 26.12.2025

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