MusiktippsNachhören

Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2025: Konzerte vom 17.1.2025

Live und in Aufzeichnungen vom Tag aus dem Heimathafen Neukölln. Mit Werken von Sara Glojnarić, Leopold Hurt, Bethany Younge, Séverine Ballon, Oxana Omelchuk, Katherine Balch, Malin Bång, Enno Poppe. Sowie von Aribert Reimann und Wolfgang Rihm.

Im ersten Konzert des Jubiläums-Doubles feiert das LUX:NM contemporary music ensemble berlin sein 15-jähriges Bestehen. Längst zählt es zu den erfolgreichsten Ensembles der zeitgenössischen Musik. Die Musikerinnen und Musiker verstehen sich als undirigiertes Ensemble auch als Initiatoren für neue Musik.

Unter dem Motto „Orte und Erinnerungen“ präsentieren sie eine Reihe von Werken, teils als Uraufführungen, die dem Ensemble mit seiner ungewöhnlichen Besetzung auf den Leib geschrieben worden sind.

Das zweite Konzert des Jubiläum-Doubles widmet sich dem 40-jährigen Bestehen des ensemble recherche. In dieser Zeit hat das Ensemble so manche Veränderung durchgemacht – geblieben ist jedoch die permanente Neugier auf das Unerforschte sowie der Blick auf unsere unmittelbare Gegenwart und die Auswirkungen auf Kunst und Kultur.

Im Zentrum des Geburtstagskonzerts steht das neue Ensemblewerk Laub von Enno Poppe, eine Auseinandersetzung mit Formen der Veränderung. „Ich bin ja insgesamt obsessiv mit Variationen. In Laub ist jeder Takt eine Variation des vorhergehenden Takts. So entsteht eine Art ‚Stille Post‘, bei der sich die Musik komplett verändert, ohne dass man sagen könnte, an welcher Stelle diese Veränderung stattgefunden hat“, so der Komponist.

Ergänzt wird das Programm mit zwei Deutschen Erstaufführungen. Malin Bång setzt sich in inuti mit unserem Alltag auseinander, der sich „immer schneller zu einer digitalen Existenz“ entwickelt. „Als Gegenmaßnahme möchte ich den Fokus auf unsere unmittelbare physische Umgebung verlagern, um unsere taktilen Erfahrungen und die Art und Weise, wie wir mit unseren Sinnen interagieren, zu würdigen.“

Katherine Balch versucht in ihrem Werk Musica Spolia, „den Unfug, die Verspieltheit und die mikrokosmische Welterschaffung der Kindheit einzufangen“. Das Stück entstand in Rom und die Komponistin fühlte sich in ihren Wanderungen durch diese Stadt an ihre Erkundungen des Wüstencanyons in der Morgendämmerung vor ihrem Haus in San Diego, Kalifornien, erinnert, wo sie aufgewachsen ist.

Als Aribert Reimann im März 2024 starb, fanden sich in seinem Nachlass u. a. ein Liederzyklus nach Gedichten von Paul Celan und eine Violinsonate, die der Komponist mit Anfang 20 schrieb und die hervorragende Zeugnisse für seinen Weg zu seinem Individualstil sind. Teilweise geprägt noch vom Einfluss seines Kompositionslehrers Boris Blacher, finden sich hier jedoch bereits Anklänge an die expressiv-melodische Verdichtung, die v. a. seine großen Opern und Lieder auszeichnen sollten.

Beide Werke sind bislang unveröffentlicht und wurden deshalb viele Jahrzehnte nicht gespielt. Der letzte Liederzyklus des im Juli 2024 verstorbenen Wolfgang Rihm, Überwundene Zeit, nach Gedichten von Uwe Gröning, uraufgeführt von Axel Bauni 2022 bei der LiederWerkstatt in Bad Kissingen, lässt noch einmal die hoch expressive Kraft in der Musiksprache des Komponisten aufscheinen, in aphoristischer Verdichtung.



Auf Anfrage sind diese Konzerte auch als Hi-Res Flac möglich.

Sara Glojnarić
„Artefacts #3“ (2020)
Fassung für LUX:NM

Leopold Hurt
Neues Werk für Ensemble (2024)
Uraufführung. Kompositionsauftrag des Ensemble LUX:NM

Bethany Younge
„Undergrowth / Polka“ für Ensemble (2023)

Séverine Ballon
„Innere Wälder“ für Ensemble (2024)
Uraufführung. Kompositionsauftrag des Ensemble LUX:NM
mit freundlicher Unterstützung durch Impuls Neue Musik

Oxana Omelchuk
„Memories. Tape I“ für Ensemble (2023)

LUX:NM:
Silke Lange, Akkordeon
Florian Juncker, Posaune
Ruth Velten, Saxofon
Rike Huy, Trompete
Neus Estarellas, Klavier
Zoé Cartier, Violoncello
Martin Offik, Klangregie

ca. 21.15
Katherine Balch
„musica spolia“ für Flöte, Violine, Schlagzeug und Klavier (2021)

Malin Bång
„inuti“ für Ensemble (2023)

Enno Poppe
„Laub“ für Ensemble (2024)

Ensemble Recherche:
Anja Clift, Flöte
Eduardo Olloqui, Oboe
Shizuyo Oka, Klarinette
Klaus Steffes-Holländer, Klavier
Christian Dierstein, Schlagzeug
Adam Woodward, Violine
Sofia von Atzingen, Viola
Åsa Åkerberg, Violoncello

ca. 22.30
Lieder für Tenor und Klavier von Aribert Reimann und Wolfgang Rihm

Michael Pflumm, Tenor
Axel Bauni, Klavier

© Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 17.1.2025

(Visited 148 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.