„Unearthing the Music“ Wie Musikfans die strikte staatliche Zensur umgingen
Von Yelizaveta Landenberger (TAZ). Ein Sammelband ruft Musik aus der Zeit der totalitären Systeme in Ost- und Westeuropa in Erinnerung.
In dem von Rui Pedro Dâmaso, Alexander Pehlemann und Lucia Udvardyová herausgegebene Buch „Unearthing the Music. Footnotes to Sonic Resistance in Non–Democratic Europe (1950-2000)“, berichten Zeitzeugen davon, wie sie sich Pop- und Subkultur trotz und gegen der Regime, die ihnen auferzwungen wurden, erschlossen und gestaltet haben.
Eine dünne Folie aus Röntgenfilm. Auf ihr zu sehen sind zwei Skeletthände, die von einer spiralförmigen dünnen Rille überlagert werden. So sieht eine der Schallplatten aus, auf denen von den 1940ern bis in die 1960er Jahre verbotene Musik im Ostblock zirkulierte. In der Sowjetunion gab es nur eine einzige staatliche Plattenfirma, Melodija. Da sie direkt dem totalitären Regime unterstand, nutzten Musikfans den sogenannten Roentgenizdat, um Musik zu vervielfältigen. Ähnlich wie Samisdat-Literatur, die in heimlich erstellten Kopien illegal weiterverbreitet wurde.
Rui Pedro Dâmaso/Alexander Pehlemann/Lucia Udvardyová (Hrsg.): „Unearthing the Music. Footnotes to Sonic Resistance in Non-Democratic Europe (1950–2000)“, Spector Books, Leipzig, 2025, 624 Seiten, 28 Euro.
© TAZ, Kultur, Musik, 31.7.2025