US-Beatpoet Bob Kaufman „Loop-Jazz für einen Vergessenen“

Die Notwist-Gebrüder Acher widmen sich US-Beatpoet Bob Kaufman und veröffentlichen ein Album der Tokioter Band Tenniscoats. Von Benjamin Moldenhauer.

Zwei Kollaborationen über die Kontinente hinweg. The Plastik Beatniks sind eine zum Zweck der Würdigung des eher am Rande der Szene agierenden afroamerikanischen Dichters Bob Kaufman (1925–1986), der in seinen Texten alles, was an der Literatur der Beatniks zugleich wunderbar und nervtötend ist, in seinen Gedichten auf engem Raum zusammenbringt.

Pathos und eine etwas willkürlich anmutende Metaphorik auf der einen Seite: „Remember not to forget the dying colors of yesterday / As you inhale tomorrow’s hot dream, blown from frozen lips / Remember, you naked agent of every nothing“ – es waren andere Zeiten und Kontexte damals. Auf der anderen Seite sind Kaufmans Zeilen stets von einem sehr hübschen Sprachduktus getragen, der sich dem Flow des Jazz anverwandelt hat.



Markus und Micha Acher, beide von The Notwist, spannen sich für das Album „All Those Streets I Must Find Cities For“ mit dem Hörspielautor Andreas Ammer und dem Loop-Bauer Leo Hopfinger zusammen, um Musik zur Erinnerung an den weitgehend vergessenen US-Autor zu fabrizieren. Entstanden sind spröde Jazz-Elektronik-Collagen, die klingen wie hingewürfelt, beim zweiten Hinhören dann aber doch sehr durchdacht sind.




© TAZ, Kultur, 22.4.2022

The Plastik Beatniks: „All Those Streets I Must Find Cities For“ (Alien Transistor/Morr Music/Indigo)

Tenniscoats: „Papa’s Ear“ (Morr Music/Indigo)


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