VAN Magazin: „Der Schatzsucher“ Harry Vogt im Interview mit Sebastian Solte

Harry Vogt, der als »produzierender Redakteur« des WDR seit Mitte der 1980er das zeitgenössische Musikleben entscheidend mitgeprägt hat, blickt zurück – und voraus auf seine letzte Saison.

Harry Vogt hat als für Neue Musik verantwortlicher Redakteur beim WDR nicht nur die Geschicke der Konzertreihe Musik der Zeit seit 1998 gelenkt, sondern auch seit 1990 die Wittener Tage für neue Kammermusik künstlerisch geleitet, das »Donaueschingen des Ruhrgebiets«. Nun geht er in seine letzte Saison. Ein Gespräch über die immer seltener werdende Spezies des »produzierenden Redakteurs«, Uraufführungen und Wiederentdeckungen und die Rolle des Rundfunks als Impulsgeber, Bewahrer und Vermittler.


VAN: Musik der Zeit, die Konzertreihe des WDR, feiert dieser Tage ihr 70-jähriges Jubiläum. Wie geht’s denn so?

Harry Vogt: Ich bin voller Vorfreude, bin gespannt, wie unser Minifestival am 2. Oktober über die Bühne gehen wird. Das mussten wir coronabedingt recht kurzfristig planen, der Situation immer wieder anpassen und zuletzt ganz neu aufstellen.

Seit 1951 der Große Sendesaal im neu errichteten Funkhaus am Wallrafplatz mit dem allerersten Konzert von Musik der Zeit (und Strawinsky am Dirigentenpult) eröffnet wurde, hat die Reihe das Musikleben nachhaltig geprägt. Welche hier uraufgeführten Werke haben es ins Repertoire geschafft?

Was heißt schon Repertoire? Die Werke werden nicht so oft wie Beethoven-Sinfonien, aber immerhin regelmäßig gespielt, und das, obwohl der aufführungspraktische Aufwand meist nicht unerheblich ist. Zu nennen wären etwa: Karlheinz Stockhausens Gruppen, Gesang der Jünglinge, Kontakte und Momente, Luigi Nonos canto sospeso, Bernd Alois Zimmermanns Sinfonie in einem Satz, Dialoge und Requiem, Karl Amadeus Hartmanns 8. Sinfonie, György Ligetis Violinkonzert, Helmut Lachenmanns Ausklang. Aus neuerer Zeit vielleicht noch: Rebecca Saunders’ dichroic seventeen, Georg Friedrich Haas’ in vain, Younghi Pagh-Paans Tsi-Shin-Kut oder Hans Abrahamsens Left, alone.



© VAN Magazin, 29.9.2021


70 Jahre Musik der Zeit – Harry Vogt im Gespräch

Seit fast 20 Jahren leitet WDR 3 Musikredakteur Harry Vogt die Konzertreihe „Musik der Zeit“. Zum 70. Geburtstag der Reihe blickt er zurück auf die Geschichte und nach vorne auf das Festprogramm.


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