Die Gewinner/innen des Prix Ars Electronica 2021 „Digital Musics and Sound Art“

Auf den oftmals nur schmalen Grat zwischen Utopie und Dystopie führen gleich mehrere Projekte, die beim diesjährigen Prix Ars Electronica in der Kategorie „Digital Musics and Sound Art“ prämiert wurden. Eine Auswahl konnte man auch heuer wieder während des Ars Electronica Festivals im Ursulinenhof des OÖ Kulturquartier erleben, im Rahmen der Ausstellung „Cyberarts“. Mit Susanna Niedermayr.

Goldene Nica für Alexander Schubert

Natürlich gab es zahlreiche Musikschaffende, die mit Künstlicher Intelligenz gearbeitet haben, so auch Alexander Schubert. Mit seinem Stück „Convergence“ gewann der Multimediakomponist aus Hamburg den Hauptpreis, die Goldene Nica. Gemeinsam mit einem Team von Programmieren erschuf er von den Musikerinnen und Musikern des Ensembles Resonanz mit Hilfe von Auto-Encodern und GANs virtuelle Spiegelbilder, Art Avatare, um daraufhin beide Gruppen miteinander zu konfrontieren.

„Die zentrale Idee dahinter ist die Welt und die Menschen als ein Set von Parametern zu sehen, als Modelle“, schildert Schubert. „Technologie macht das möglich und führt uns dabei die Auswirkungen und nicht zuletzt auch die möglichen negativen Auswirkungen vor Augen, die uns bewusst sein sollten, wenn wir Menschen sozusagen dekonstruieren. „Convergence“ kann also als Technikkritik gelesen werden, auf der anderen Seite werden hier aber Prozesse imitiert, die in unserem Gehirn auch ganz ohne Technologie ablaufen. Wir alle haben unterschiedliche Modelle von der Welt und anderen Menschen. Bei der Betrachtung der Welt konstruieren auch wir Bilder. Das passiert fließend und „Convergence“ führt vor Augen, dass wir vielleicht gar nicht die in sich abgeschlossenen Persönlichkeiten sind, die wir glauben zu sein, weil wir alle verschiedene Seiten haben. Das kann als befreiend empfunden werden, aber auch Angst machen. Ich möchte mit diesem Stück also auf die Gefahren aufmerksam machen, die der Einsatz von Technologie mit sich bringt, es soll aber auch zu einem Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung anregen.“

Viele Projekte zu gesellschaftspolitischen Fragen

Auffallend viele Einreichungen beschäftigten sich heuer mit gesellschaftspolitischen Fragen. Von der Jury mit einer der beiden Auszeichnungen prämiert wurde „A Father’s Lullaby“ von Rashin Fahandei. Im Untergeschoß des Ursulinenhof lud sie mit ihrer großformatigen und mehrkanaligen audiovisuellen Installation in die Welt der Väter. Viele Stimmen hat die Künstlerin in den vergangenen sechs Jahren gesammelt, vor allem auch viele Stimmen von Vätern, die ohne Vater aufgewachsen sind und später mehrere Jahre im Gefängnis verbringen mussten, weshalb sie für ihre eigenen Kinder ebenfalls nicht da sein konnten.

„Wenn man sich den Trend der Masseninhaftierung in den USA von 1925 bis 2015 anschaut, dann stellt man in den 1970er Jahren einen Höhepunkt fest“, erklärt Fahandei. „Damals hat sich die staatliche Politik geändert. Massenhaft wurden vorwiegend Männer, meist Afroamerikaner oder Latinos, wegen oftmals nur kleiner Vergehen weggesperrt, in der Regel handelte es sich um Drogendelikte. Als ich das sah, wurde mir klar, dass wir es hier mit einem massiven systemischen Problem zu tun haben; dass wir eine Gesetzgebung schaffen, die einen großen Teil der Gesellschaft diskriminiert, aufgrund von Herkunft und Geschlecht. Dieses Problem zeigte sich in einer derartigen Dringlichkeit, dass ich beschloss, mich ganz auf dieses Projekt zu konzentrieren.“

Convergence mal 2

„Convergence“ lautet auch der Titel des Projektes, für das Douglas McCausland die zweite der beiden Auszeichungen von der Jury verliehen bekam. Realisiert hat es der Musiker mit Aleksander Gabrys, dessen Kontrabass mit acht Kontaktmikrophonen und einigen weiteren Sensoren ausgestattet wurde. Sie waren mit einem Computersystem verbunden, das die Verstärkung der Klänge aber auch deren Spatialisierung im Raum steuerte. Douglas McCausland performte mit einem Paar selbst angefertigter Datenhandschuhe.

„Diese Datenhandschuhe, diese Interfaces habe ich aus Sensoren und anderen Bauteilen gefertigt“, erzählt der Künstler. „Zwei Teensy-Mikrocontroller erfassen meine Gesten, die dann von Machine Learning Algorithmen analysiert und klassifiziert werden. So kann ich mit meinen Bewegungen die Klänge in diesem Performance-System steuern.“



Prix Ars Electronica, Digital Musics and Sound Art

© Ö1, Zeit-Ton, 16.9.2021

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