VAN Magazin: Tue Gutes und schweige darüber
Die NRW-FDP möchte sie auflösen, die FDP-Bundestagsfraktion aus Landesmitteln weiterfinanzieren: Die Debatte um die Rundfunkklangkörper hat die Politik erreicht. Von Hartmut Welscher.
Vor einem Monat hielt Tom Buhrow seine Hamburger Privatrede, in der er bei aller Tabula-Rasa-Pose vieles im Ungefähren beließ, aber ausgerechnet bei den rundfunkeigenen Klangkörpern sehr konkret wurde. »Wollen die Beitragszahler die insgesamt 16 Ensembles: Orchester, Big Bands, Chöre, die die ARD derzeit unterhalten?«, fragte er, nur um die Antwort schon vorwegzuframen: 2.000 Menschen, alle fest angestellt, und das, obwohl es in Deutschland ja schon mehr als 120 Berufsorchester gibt, wer will denn sowas?
In der Politik blieben Buhrows Einlassungen zu den Klangkörpern weitgehend unkommentiert – bis letzte Woche. Da veröffentlichte die Landtagsfraktion der FDP in Nordrhein-Westfalen ein Positionspapier zur »Reform und Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks«. Von der »Best-of-Lösung«, die Buhrow selbst anregte – »das beste Sinfonieorchester, den besten Chor, die beste Big Band, das beste Funkhausorchester« – ist bei der NRW-FDP allerdings nicht mehr die Rede. Stattdessen wird der Kahlschlag gefordert: »Für die Erfüllung des Programmauftrags nicht notwendige sendereigene Einrichtungen werden perspektivisch aufgelöst.« Als einzige Streichkandidaten genannt: »Chöre und Klangkörper«.
Van Magazin, Meinung, 7.12.2022