VAN Magazin: „Wer sagt Ihnen, dass Sie Anspruch auf ein Happy End haben?!“
Philipp Blom über die Macht von Geschichten, welche Erzählungen aktuell das Musikbusiness prägen und wie sich diese ändern lassen. Von Dominika Hirschler.
VAN: Was auf dem Spiel steht ist eine beklemmende Zusammenschau aktueller Entwicklungen in ihrem historischen Kontext. Es geht unter anderem um Klimawandel, Digitalisierung, Konsum und um unser völlig gespaltenes Verhältnis zu unserer eigenen Zukunft …
Philipp Blom: Es ist erschlagend, wenn man sich so redlich, wie man das kann, ansieht, wie die Faktenlage auszusehen scheint. Viele Leute wollen das nicht hören. Nach einem Vortrag neulich wurde festgestellt, ich sei so pessimistisch und wo denn mein Optimismus sei. Meine Antwort darauf ist: Wer sagt Ihnen, dass Sie Anspruch auf ein Happy End haben? Wir leben als postchristliche Gesellschaft immer noch mit dieser Heilserwartung und gehen davon aus, wir gehen auf ein Paradies zu. Die einzige Sicherheit, die wir alle haben, ist, dass wir irgendwann mal tot sind. Es hat noch keine Gesellschaft gegeben, die immer nur weiter und weiter und höher und höher gegangen ist. Wir haben ganz radikal einfach kein Recht darauf, dass das gut ausgeht.
Wie gehen Sie persönlich damit um? Die Überbringer der schlechten Nachrichten sind selten gut gelitten.
So schlimm ist es auch nicht, immerhin kriege ich immer noch Arbeit. Ab und zu muss ich Ferien nehmen und ein Buch schreiben wie Eine italienische Reise, in dem ich der Herkunft meiner Geige nachgegangen bin. Da habe ich mich in ein anderes Thema, eine andere Zeit geflüchtet. Sich ständig mit dieser Katastrophe zu konfrontieren, das schafft, glaube ich, niemand.
Wenn man die dargestellten Entwicklungen zu Ende denkt, ist es kaum zu ertragen.
Das zu Ende denken ist mein Instinkt, ein Bedürfnis für mich und hat überhaupt nichts Moralisches an sich. Ich glaube, viele Menschen haben dieses Bedürfnis nicht. Die leben gerne auf halbem Wege und hören einfach auf zu denken, da wo es anfängt, weh zu tun. Das ist eine Art Selbstschutz. Aber es hilft ja nichts, die Realität ist trotzdem, wie sie ist. Wenn wir sinnvoll handeln wollen, dann können wir das nur tun, indem wir begreifen, wo wir wirklich stehen.