„Verarmung durch Vereinheitlichung“ In der Abendstrecke werden ARD-Kulturwellen zur Einheitswelle
Ein Kompetenz- und ein Ansehensverlust droht, wenn Vielfalt und Regionalität im ARD-Kulturradio verschwinden. Ein Kommentar von Joachim Huber.
Berlin leistet sich drei Opernhäuser. Ein Luxus, gerade in Zeiten sich verengender Etats. Vorschlag: Aus drei Opern mach eine. Wer diese Idee, mit guten Gründen, für unerhört hält, der wird nicht anders reagieren können, wenn er vor Augen und Ohren geführt bekommt, dass die Radio-Kulturwellen der ARD-Häuser nach 20 Uhr zur Einheitswelle werden. Statt föderaler Vielfalt wird dann ein Highlight-Programm auf dem Minimum-Niveau des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks mit Sir Simon Rattle angekündigt.
Nun darf der Streit darüber beginnen, ob ein deutschlandweit vereinheitlichtes Kulturprogramm den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskreditiert, ja die Legitimität des beitragsfinanzierten Systems verspielt.
© Tagesspiegel, Kultur, 12.7.2023