Verleihung des Soundcheck Awards an The Notwist
Das Trio aus München hat schon vor 20 Jahren Musikgeschichte geschrieben. Nun sind The Notwist für das neue Album „Vertigo Days“ ausgezeichnet worden. Von Kai Müller.
Es ist eng, das Licht spärlich und auf das Metalldach prasselt der Regen, als würde eine Ladung Kies von einem Laster rutschen. Ein Schauer fegt über das Gelände des Immergut-Festivals, während The Notwist im Inneren eines ehemaligen Bauwagens interessiert der Dinge harren, die da kommen. Spät nachts werden sie in der Mecklenburgischen Finsternis auftreten. Vorher wird ihnen der Soundcheck Award 2021 überreicht, der ihnen für ihr Album „Vertigo Days“ verliehen wird.
Seit 13 Jahren wird der Soundcheck Award von Radioeins und Tagesspiegel für das „Beste Album des Jahres“ verliehen. Selten ist die Übergabe eine große Sache. Neil Young nahm seinen Preis hinter der Waldbühne in Empfang, die Black Keys in der Garderobe der Arena, James Blake renovierte gerade sein Haus in London, weshalb die Begegnung in einem nahegelegenen Park stattfand, mit Tocotronic traf man sich im Radioeins-Studio in Mitte, als es das noch gab. Um die diesjährigen Preisträger The Notwist zu treffen, war eine Fahrt nach Neustrelitz nötig. Denn dort würde das Trio mit seinen drei Mitmusikern in der Nacht zu Samstag auftreten.
Wie in allen Jahren zuvor hat der Illustrator und Künstler Otto Steininger auch diesmal den Preis gestaltet. Das Bild ist eine abstrakte Komposition aus verschwommenen Schatten, angelehnt an den „Taumel“, den das Notwist-Album mit Blick auf die rasant wachsende Vereinsamung der Menschen in einer digitalen Welt beschreibt.
© Der Tagesspiegel, Kultur, 29.5.2022