„Versuch’s, die verstümmelte Welt zu besingen“ Der polnische Schriftsteller Adam Zagajewski. Feature von Burkhard Reinartz

Adam Zagajewski verteidigte „das Recht auf Unendlichkeit“, gegen den nüchternen Zeitgeist, die „Notwendigkeit der Leidenschaft gegen das Diktat der Ironie“. Er forderte „Wildheit“ und den Mut, tiefgehende persönliche Erfahrungen auszusprechen.

Nach den Nine-Eleven-Anschlägen machte der „New Yorker“ mit Zagajewskis Gedicht „Versuch’s, die verstümmelte Welt zu besingen“ auf. Geschichte und individuelles Schicksal bildeten im Werk des Dichters eine untrennbare Schnittmenge.

Alles ist in nur einem Augenblick möglich: Die toten Juden „fahren um die Wette Schlitten und werfen Schneebälle ans Fenster“, während „die Welt in meinen Mantel ein- und auskriecht wie in einen Ameisenhaufen“.

Adam Zagajewski, 1945 in Lemberg geboren, gilt heute als der wichtigste Lyriker Polens. Nach seiner Emigration lebte er in Berlin, Paris, Amerika und zuletzt wieder in Krakau. „Verteidigung der Poesie bedeutete, etwas verteidigen, was im Menschen steckt, nämlich die fundamentale Fähigkeit, das Wunderbare der Welt zu erleben und lange Momente im Staunen zu verharren.“

Im März 2021 starb Adam Zagajewski im Alter von 75 Jahren in Krakau.



Versuch’s, die verstümmelte Welt zu besingen“ Der polnische Schriftsteller Adam Zagajewski.

Feature von Burkhard Reinartz (Übernahme DLF 2014)

© Ö1, Tonspuren, 7.11.2021

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