Vijay Iyer, Linda May Han Oh und Tyshawn Sorey: Uneasy

Der Pianist Vijay Iyer belebt die traditionellste Besetzungsform des Jazz wieder: das Klaviertrio. Iyers aktuelles Album erzählt vom Ringen mit dem eigenen Land, den USA. Von Reinhard Köchl

Der Jazz ist eine Musikgattung, die von Klischees umzingelt ist. Er gilt als unbekömmlich, ungeordnet, unfreundlich, unstrukturiert – blankes Chaos eben. Die musikalische Herausforderung, die er oft bedeutet, begreifen viele als intellektuellen Dünkel. Und wenn der US-amerikanische Pianist Vijay Iyer dann auch noch sein aktuelles Album Uneasy nennt, scheint der Titel schon vor dem ersten Ton jedes Vorurteil zu bestätigen.

In gewisser Weise definiert dieser offene Raum auch den musikalischen Bereich, in dem Iyers Trio agiert: frei, riskant, ständig in Bewegung, in jeder Millisekunde auf Augenhöhe und tatsächlich demokratisch ohne jedwede hierarchische Tendenz. Ohs Bass und Soreys Drumset wirken nie wie eingehegte Rhythmusinstrumente, sondern lassen Melodieformen keimen und verbieten sich jede Art von Egotrips. Iyers Bandleaderfunktion mag sich vielleicht aus den acht Kompositionen herleiten lassen, die er beisteuert – wobei das Trio selbst den Gassenhauer Night And Day und Geri Allens Drummerʼs Song in neue, angenehm raue, labyrinthische Songs verwandelt. Ansonsten herrscht Parität in jeder Hinsicht, auf dem Cover bei der Nennung der Namen wie im Zusammenspiel.

© Zeit Online, Kultur, Musik, 26.6.2021

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