Musiktipps

Von der Familie vertrieben, bewegte sich Jamie Branch zwischen Jazzklubs und Drogenszene. Postum wird sie als Punk-Ikone gefeiert

Ein wichtiger Text von Ueli Bernays. Jamie Branch hat die amerikanische Musikszene aufgefrischt mit ihren bunten Mixturen von Rockrhythmen, Blasmusik und Free Jazz. Der Erfolg hat sie überlebt, ihr Leben nahm ein frühes Ende.

Letztes Jahr ist sie im Alter von 39 Jahren verstorben. Dieses Jahr aber scheint Jamie Branch zu einer Ikone zu werden. Zunächst hängt das damit zusammen, dass im August «(World War)» herausgekommen ist, das letzte Album der amerikanischen Jazztrompeterin und Sängerin. Mit ihrem Quartett Fly Or Die war sie 2022 im Studio, mit einem farbenreichen Repertoire, das sich nun wie ein musikalisches Vermächtnis ausnimmt und nochmals die Eigenheiten der ungewöhnlichen Künstlerin vereint.



Lange wurde kein Jazzalbum mehr mit so viel medialer Aufmerksamkeit bedacht. Dabei überrascht vor allem das Interesse, das die internationale Pop- und Rock-Fraktion dem Werk von Jamie Branch entgegenbringt. «Pitchfork», die tonangebende amerikanische Online-Plattform für Rock und Pop, hat «(World War)» letzten Monat zum «Best New Album» erkoren. Im «Observer» wurde anerkennend hervorgehoben, dass sich die Musikerin mit einer Punk-Attitüde in Neuland vorwage: «It rocks, rolls and generally throws itself around.» Dass es rockt und rollt, erklärt vielleicht, weshalb das Album es in Grossbritannien auch in die Indie-Charts geschafft hat.



© NZZ, Feuilleton, 25.9.2023


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