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„Wagnis Wunde“ Wildes Denken zeigt sich verletzlich

Alle sind verletzlich. Wir, du, ich auch. Weil schon das Wörtchen „ich“ Verletzung, sprich Verkennung ist. Und weil Gemeinschaft Wunden schlägt. „Vulnerabilität“, sagt Judith Butler, gehöre zum Menschen. Denn der ist selten stumm – und allein schon gar nicht. Was aber, wenn diese Schwäche Stärke wäre? Wenn in der Auslieferung Kraft liegt?

Wenn Schutzlosigkeit wappnet und Entblößung Rüstung ist? Wildes Denken kriecht aus dem längst aufgedeckten Versteck der Unverwundbarkeit, zeigt Haut und seine Wunden. Als das unerschrockenste unter den Radio-Magazinen setzt es sich aus, indem es Aussetzer zulässt und von Narben erzählt. Denn Konfrontation ist Berührung, Konflikt Kontakt, und keine Angst vor der Angst ist ein Anfang, der garantiert ein Ende hat. Weil der Schmerz über die Sterblichkeit zur Lust wird, die nicht ekstatisch verpufft, sondern als Erkenntnis zum Höhepunkt kommt. Oder mit Hölderlin: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Oder mit Nietzsche: Denn alle Lust will Ewigkeit. Oder mit dem Wilden Denken: Auch die Verletzlichkeit will rettende Ewigkeit.

© Bayern 2, Nachtstudio, 27.10.2020

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