„Was siehst du? Die Nacht!“ Hörspiel von Ludwig Fels (1946-2021)

Der Dichter Ludwig Fels, selbst Vater einer Tochter, hat eine Geschichte geschrieben, die sich ereignet hat, aber über die niemand mehr berichten konnte.

1944: Die kleine Mirka und ihr Vater, in einem Viehwaggon eines Deportationszuges auf der Strecke vom Ghetto Lódz nach Auschwitz. Mirka voller Leben, aber mit Zweifel, weil der Nazi-Hund beim Einsteigen ihre Puppe gebissen hat. Der Vater, in Verzweiflung erstickt, versucht zu beruhigen. Kinderfantasie gegen ohnmächtige Notlügen des verehrten Papas. Eilends zusammenerfundene Märchen als Replik auf nicht beantwortbare Fragen. Über allem die Liebe. Einige letzte Stunden, zwei Herzen in mörderisch befohlener terminaler Lebenszeit, eine Seele.

Der Hörspielregisseur Stefan Weber schreibt dem Dichter Ludwig Fels nach der Lektüre des Manuskripts: „Jedes Wort, jeder Satz, jede Sequenz ausweglos gemeißelt in ‚die Ruine der Erinnerung‘. Ihr Gewebe aus Kindwelten, Hoffnungen, Notlügen, Verzweiflung, Resignation, Liebe, Eternità, geflochten im Waggon des Räderwerks einer ‚betrunkenen Maschine Mensch in Uniform‘ verdichtet sich atemraubend bis zum letzten Wort. Ihr Stück gibt so viel Kraft und Trost, weil Sie Gewissheit schenken, dass Mirka ‚tausend Jahre alt wird‘, dass sie und ihr Vater uns die Hand werden reichen können.“

Autor und Regisseur treffen sich und einigen sich auf das Konzept der Inszenierung. Pandemiebedingt verschiebt sich die Produktion des Hörspiels; am 11. Jänner 2021 stirbt Ludwig Fels inmitten der Vorbereitungen unerwartet in Wien. Die Ursendung findet nun anlässlich seines ersten Todestages statt.



„Was siehst du? Die Nacht!“. Von Ludwig Fels (1946-2021).

Mit Naïma von Bargen, Markus Meyer, Katrin Thurm, Klaus Höring, Joshua Bader, Eike Onyambu und Ludwig Weißenberger.
Technik, Regie und Klangkomposition: Stefan Weber (Autorenproduktion 2022)

© Ö1, Hörspiel, 8.1.2022

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