„Wittener Tage für neue Kammermusik 2017“ Die Konzerte vom 5.5.2017

Sie zählen zu den bedeutenden musikalischen Ereignissen in NRW: die Wittener Tage für neue Kammermusik.
Bereits zum 49. Mal haben Liebhaber zeitgenössischer Musik seit Freitag (05.05.2017) die Gelegenheit, neue und bislang ungehörte Werke zu erleben und besondere Kleinode der Stadt Witten zu entdecken.

 

Führende Quartett-Formationen zu Gast

Zu den zentralen Werken des Festivals zählt ein neuer Zyklus von Brian Ferneyhough (1943, GB). Auf dem Programm stehen zudem mehrere Novitäten für Streichquartett, u.a. von Harrison Birtwistle (1934, GB) und Philippe Hurel (1955, F). Außerdem Werke für Doppelquartett bzw. für acht im Raum verteilte Streicher von Milica Djordjević (1982, Serbien) und Rand Steiger (1957, USA). Sie werden von den beiden führenden Quartett-Formationen der Neuen Musik, Arditti Quartet und JACK Quartet, aus der Taufe gehoben.

Komponisten aus zehn Nationen

Weitere Ausführende sind u.a. das Ensemble Modern und das Ensemble Orchestre Contemporain aus Lyon. Das WDR Sinfonieorchester Köln ist mit Novitäten von Nicolaus A. Huber (1939, D), Marco Stroppa (1959, I) Eun-Hwa Cho (1973, Südkorea) und Philippe Manoury (1952, F) zu hören.

Witten 2017 [1] Broken Sequences

„Umbrations“ („Verschattungen“) nennt Brian Ferneyhough seinen Zyklus, der über 15 Jahre hinweg kontinuierlich gewachsen ist. Fluchtpunkt des Werkes ist die originelle Musik des Renaissance-Komponisten Christopher Tye, die Ferneyhough behutsam „verbessert“ und in seiner Sprache fortschreibt. Dabei ist die Idee des „broken consort“ prägend, der Kammermusik in wechselnden Besetzungen. Der Titel des dritten Streichquartetts von Harrison Birtwistle – „The Silk House Sequences“ – verweist auf die Adresse des Komponisten, eine alte Seidenfabrik, zugleich auf die innere Mechanik der Musik. Dahinter steckt ein rotierendes Räderwerk von Ostinati, die wie Zahnräder ineinandergreifen, die aber auch durch unvorhersehbare Akzente und Impulse gestört und belebt werden.

Brian Ferneyhough
Umbrations, The Tye Cycle für Streichquartett und Ensemble, Uraufführung

Harrison Birtwistle
The Silk House Sequences, String Quartet No 2, Deutsche Erstaufführung

Arditti String Quartet; Ensemble Modern, Leitung: Brad Lubman

Witten 2017 [2] Kinetische Variationen

Timothy McCormack gehört zu jenen Komponisten, die ganz nah an die Instrumente und Musiker herangehen, um gemeinsam neue Klänge zu entwickeln. Sein neues Quartett beschreibt er als ein „intensiv eintauchendes Stück, dessen Klangwelt den Raum sättigt und uns umgibt“. Oscar Bianchi bezieht sich in seinem zweiten Streichquartett auf die Gedankenwelt des Philosophen Byung-Chul Han. Formprägend wird hier die Idee des Übergangs, der Verwandlung; dadurch entstehen Zonen der Unsicherheit und Angst, aber auch der Sehnsucht und Kreativität. Zwischen die beiden Novitäten geschaltet ist das Solostück „doux et scintillant“ von Nicolaus A. Huber. Angelehnt an das Vokabular der Quantenmechanik spricht Huber hier von „Strings“ – Tönen, die über das ganze Stück hinweg mit anderen Tönen in einem Netzwerk agieren.

Timothy McCormack
Your Body Is a Volume für Streichquartett, Uraufführung

Nicolaus A. Huber
doux et scintillant für Trompete solo

Oscar Bianchi
Pathos of Distance für Streichquartett, Uraufführung

Paul Hübner, Trompete; JACK Quartet

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