Zeit Online: Konzertbranche und Corona „Ein Neustart muss seinen Namen verdienen“ Von Berthold Seliger
Die Konzertbranche wünscht sich nach zwei Jahren Corona eine Rückkehr zur Normalität. Unserem Autor geht das nicht weit genug. Er fordert grundsätzliche Neuerungen.
Berthold Seliger ist seit 34 Jahren Konzertagent und Tourneeveranstalter. Außerdem ist er als Publizist tätig und hat unter anderem die Bücher „Das Geschäft mit der Musik“, „Klassikkampf – Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle“ und „Vom Imperiengeschäft“ veröffentlicht. Hier schreibt er über den Zustand der Konzertwirtschaft nach zwei Jahren Corona und unterbreitet Vorschläge für eine gerechtere Zukunft seiner Branche. Auf Wunsch des Autors wird in diesem Text das Gendersternchen verwendet.
Konzertveranstalter*innen waren im März 2020 die ersten, die ihre Arbeit einstellen mussten, und werden irgendwann im Jahr 2022 wohl die letzten sein, die sie wieder uneingeschränkt aufnehmen dürfen. Längst ist dieser Satz zu einer Floskel verkommen, die zwar harmlos klingen mag, aber unter denjenigen, die von Konzerten leben, nur noch Bitterkeit auslöst.
Am 20. März stehen nun weitreichende Lockerungen bisheriger Corona-Maßnahmen an, viele sprechen von einer „großen Öffnung“, manche sogar von einem „Freedom Day“. Diese Wortwahl ist nicht nur angesichts zuletzt wieder zunehmender Fallzahlen und vor allem der in einigen Bundesländern steigenden Hospitalisierungsraten zweifelhaft. Mit Blick auf Kulturveranstaltungen stellt sich auch die Frage, ob ein echter Neustart tatsächlich in Sicht ist – und wie er überhaupt aussehen sollte.
© Zeit Online, Kultur, 18.3.2022