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„Zukunftsvisionen und Skepsis“ Vor 100 Jahren wurde der polnische Schriftsteller und Philosoph Stanisław Lem geboren

Gewissen extremen Versionen zufolge soll ›Lem‹ sogar ein Mensch sein. Nun weiß aber jeder, der sich auch nur ein wenig mit der Geschichte der Kosmonautik befasst hat, dass LEM die Abkürzung für die Bezeichnung LUNAR EXCURSION MODULE ist, das heißt für den forschenden Mondbehälter, der in den USA im Rahmen des ›Apollo-Projekts‹ (der ersten Landung auf dem Mond) gebaut wurde.» Von Steffen Schmidt.

Dieses Zitat aus den «Sternentagebüchern» zeigt wesentliche Seiten des vor 100 Jahren geborenen polnischen Autors Stanisław Lem. Neben der Selbstironie hatte er auch ein Faible dafür, seinen Lesern Fallen zu stellen. Denn schließlich lautete die tatsächliche Abkürzung der US-Raumfahrtagentur Nasa für das Mondlandemodul der Apollo-Raumschiffe nur LM. Ob dieses Wortspiel auch eine Wurzel im früheren österreichisch-deutschen Namen seiner Geburtsstadt Lemberg (polnisch Lwów, ukrainisch Lwiw) in der heutigen Westukraine hat, bleibt Spekulation. Dennoch dürften die Geschichte von Lwiw und die eigene Lebensgeschichte dort die in seinen Werken immer wieder aufscheinende Skepsis gegenüber der menschlichen Vernunft genährt haben, wurde doch der junge Lem dort Zeuge, wie die bereits unter polnischer Herrschaft zunehmend diskriminierten Juden nach der Eroberung durch Hitler-Deutschland massenhaft ermordet wurden.

Als Stanisław Lem am 12. September 1921 im damals seit zwei Jahren polnischen Lwow in einer jüdischen Arztfamilie geboren wurde, schien sein weiterer Lebensweg vorgezeichnet. Er sollte Arzt wie der Vater werden. Doch die Geschichte war dagegen. In der einstigen Hauptstadt der habsburgischen Provinz Galizien wechselten im Laufe seines Lebens noch dreimal die Herrscher. Lem muss das 1939 begonnene Medizinstudium nach der Besetzung durch Hitler-Deutschland unterbrechen und schlägt sich als Automechaniker durch. Als Lwow nach dem Krieg endgültig an die sowjetische Ukraine fällt, muss die Familie aus dem nun ukrainischen Lwiw auswandern, wo er sein Medizinstudium beenden konnte.



© nd-aktuell.de, 9.9.2021

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