Musiktipps

Wunderlandmusik: Die Komponistin Unsuk Chin erhält den „Nobelpreis der Musik“

Von Eleonore Büning. Wer mit dem Ernst-von-Siemens-Preis geehrt wird, gehört zum kleinen Kreis der Besten in der Musik. Nun bekommt ihn die Berliner Komponistin Unsuk Chin für ihr unverwechselbares Schaffen. Im Sommer leitet sie die Komponistenakademie am Lucerne Festival.

Niemand sollte nach dem ersten Eindruck beurteilt werden. Das wäre dumm und außerdem schlechter Stil. Aber im Fall von Unsuk Chin wäre es ebenso dumm, ihn nicht zu erwähnen. Frau Chin ist eine Schönheit. Sie fällt auf, weil sie so zart erscheint und so still. Sie ist elegant, witzig, klug, bescheiden und den Mitmenschen zugewandt. Sie kann sehr gut zuhören. Wer ihr begegnet, verfällt diesem speziellen Charme. Wer aber zuerst ihre Musik kennenlernt, der wird überfallen und gefangen genommen: Auch die ist nämlich ein Ausbund an Schönheit. Überwältigend, gewaltsam. Sie wirkt durch Kraft und Kompromisslosigkeit.




© NZZ, Feuilleton, 18.5.2024

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