Buchtipp: Prog-Rock aus Frankreich „Sie waren linksradikal und nicht auf der Suche nach Gott“
Von Diedrich Diederichsen (TAZ). Mit „Synths, Sax & Situationists“ hat der australische Autor Ian Thompson ein Buch über den französischen Undergroundrock zwischen 1968 und 1978 veröffentlicht.
Dass die französische (und bis zu einem gewissen Grad auch die italienische) Prog-Musik spannender gewesen sei als der deutsche Krautrock, vor allem aber, dass beide außerhalb ihrer Herkunftsländer weitgehend und sträflich unentdeckt geblieben sind, habe ich auf diesen Seiten schon häufiger gepredigt. Jetzt gibt mir endlich mal jemand recht. Der australische Journalist Ian Thompson taperte vor ein paar Jahren in einen Pariser Plattenladen und war auf der Suche nach einer raren Pressung der Single „See Emily Play“, ein Frühwerk von Pink Floyd. Starker Grund für einen Besuch an der Seine. Der gewünschte Fetisch fehlte, dafür gab es ein Fach namens „French Prog“ – das veränderte das Leben dieses Musikbegeisterten.
© TAZ, Kultur, Musik, 18.7.2026
Liner Notes zum Buch:
„Synths, Sax & Situationists“ erzählt die Geschichte bekannterer Bands wie Magma, Etron Fou Leloublan und Gong sowie fast vergessener Gruppen wie Cheval Fou, Fille Qui Mousse und Barricade.
Zu Beginn der 70er Jahre, in einem Land, das noch immer unter den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs litt, beschloss eine Underground-Bewegung von Rockmusikern, alles über den Haufen zu werfen und von vorne anzufangen. Willkommen in Frankreich, 1968.
Musikfans im englischsprachigen Raum sind mit der Krautrock-Szene, die jenseits der Grenze in Deutschland entstand, bestens vertraut, doch der französische musikalische Underground ist ihnen fast völlig unbekannt. Dort traf der Radikalismus des Mai ’68 auf die Gegenkultur, den postpsychedelischen Rock und den Free Jazz und brachte einige der unverwechselbarsten und lebendigsten Musikstücke hervor, die in den 70er Jahren überhaupt entstanden sind.