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Alejandro González Iñárritu: „Rache lässt uns leer zurück“

Interview:

„Rache lässt uns leer zurück“
 
Der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu über seinen neuen Film „The Revenant – Der Rückkehrer“, über die fatale Logik der Vergeltung und das Problem mit dem amerikanischen Kapitalismus.

DIE ZEIT: Herr Iñárritu, Ihr neuer Film The Revenant – Der Rückkehrer erzählt von einem Mann, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts schwer verletzt durch die amerikanische Wildnis quält – um sich an seinem Peiniger zu rächen. Was ist Ihre Haltung zur Rache?

Alejandro González Iñárritu: Rache lässt uns leer zurück. Sie bringt uns nicht wieder, was wir verloren haben, sie gibt uns nicht, was wir suchen. Aber der Mensch ist ein so primitives, stures, ignorantes, blindes Wesen, dass er das noch nicht realisiert hat. Ich weiß, dass Rache ein Instinkt ist, fast eine anthropologische Konstante, dass sie in unsere DNA eingeschrieben ist. Aber mit Rache erschafft man etwas, was weitaus gefährlicher ist als das, was sie lösen soll. Rache hat keine spirituelle Dimension. Deshalb sehe ich meinen Film auch nicht als einen regelrechten Western an.

ZEIT: Sondern?

Iñárritu: The Revenant ist ein Prä-Western, der sich der Erlösungslogik der Rache verweigert. Schon immer hat es mich verwundert, dass viele Western die Rache als Erfüllung zeigen. Am Ende scheint der Held in die Kamera zu zwinkern und zu sagen: „Jetzt, da ich das Schwein erschossen habe, werde ich bis ans Ende meiner Tage glücklich sein.“ Das ist ein von der Filmgeschichte penetrant reproduziertes Märchen, für das ich nur Verachtung übrig habe. Es ist kindisch und armselig.

ZEIT: Ihr von Leonardo DiCaprio gespielter Held muss Indianerangriffe und Bärenattacken überstehen, er kämpft sich durch Schnee und Eis, verhungert fast. Aber es ist der Gedanke an Rache, der ihm seinen Überlebenswillen gibt …

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