„Aus einer anderen Dimension“ Der Trompeter Theo Croker von Joachim Hentschel

Nein, keine Sorge, am Ende wird hier nicht die eminente Haarfrisur des Künstlers das Entscheidende sein. Es wird auch nicht um die expressiv gemusterten Hemden und Mützen gehen oder um die Fotos, auf denen Theo Croker mit nacktem, Hip-Hop-tauglichem Oberkörper posiert, wenn auch eher denker- als gangsterhaft.

Aber oft braucht man ja erst mal irgendeine Eingangstür, durch die man reinkommt in die Musik. Erst recht, wenn sie so fluid und schwer definierbar ist wie die von Croker, und noch mal umso dringender, wenn auch noch Jazz draufsteht. Unter dem Begriff findet sich heute ja so ziemlich alles gesammelt zwischen klarlackiertem Zweckgebundenheits-Listening und Popballaden, die mit Besenschlagzeug in den Schlaf gestreichelt werden.

Und so gesehen nützt es in der Tat viel, dass Theo Croker, der 36-jährige Wunderjunge, Startrompeter und Stilfragenvirtuose aus Florida, zugleich auch ein echter Charakter ist. Ein Vogel, der Aufsehen erregt. Ein menschliches Statement. So wie ja auch, zum Beispiel, Charles Mingus, Alice Coltrane, Sun Ra oder natürlich Miles Davis sehr originäre Arten von Coolness verkörperten. Popstars allesamt, Poster-People, bei denen das aber auch gleichzeitig wieder egal war. Jeder konnte ja hören, was für bedeutende, visionäre Instrumentalisten und Strategen sie waren. Vordenker, denen man genau das bis in die Haarspitzen ansehen konnte.


„Alle, die in der schwarzen Musik jemals als Innovatoren auftraten, waren im Grunde Jazzmusiker, von James Brown über Aretha Franklin bis Stevie Wonder“, sagt Croker. „Die Genrenamen von heute täuschen darüber hinweg, dass diese Musik aus einem einzigen großen ,black hole‘ gekommen ist.“


© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 6.10.2021

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