„Bergauf beschleunigen“ Elektronische Tanzmusik von rRoxymore
Von Julian Weber. Eine Begegnung mit der in Berlin lebenden französischen Elektronikproduzentin rRoxymore. Und ihrem knisternden neuen Album „Perpetual Now“.
Das Oxymoron als rhetorische Figur und Technik der bildenden Kunst verbindet Begriffe, die sich eigentlich widersprechen: Clair-obscur, wie die prägnanten Helldunkelkontraste in der Renaissance-Malerei genannt werden, die zum Beispiel Gegenstände in Gemälden von Technobolzern wie Rembrandt und Caravaggio ungleich dramatischer erscheinen lassen.
„Clair-obscur“ ist das Lieblingsoxymoron von Hermione Frank. Deshalb nennt sich die Französin als Elektronikproduzentin rRoxymore: ein Sprachspiel mit Oxymore, Französisch für Oxymoron, und Roxy. Hermione Frank rRockt das Oxymoron, gleich doppelt. Roxy, erklärt die in Berlin lebende Künstlerin, habe für sie jedoch einen feministischen Unterton.
Elektronische Musik war bis vor nicht allzu langer Zeit eine Männerdomäne. Auch wenn der US-Komponist Charles Ives in seinem berühmten Essay „The Music and its Future“ einst deklamierte, „Musik ist göttlich. Wenn etwas daran schlecht klingt, kommt es von meinen fehlgeleiteten Schlussfolgerungen“, so waren in seiner romantisierenden Metapher Komponistinnen nicht ausdrücklich angesprochen.
© TAZ, Kultur, Musik, 11.12.2022