Musiktipps

R.I.P. Angelo Badalamenti (1937 – 2022) + Nachruf von Tobi Müller

Trauer um den Filmkomponisten Angelo Badalamenti, David Lynchs Haus- und Hofkomponisten. Die Anekdote, wie Lynch ihm Stimmungsbilder aus dem dunklen Wald an den Kopf warf, zu denen Badalamenti improvisierte, woraus im Nu das Titelthema zu „Twin Peaks“ entstand, findet sich in fast allen Nachrufen. Am liebsten setzte Badalamenti Streicher ein, „was auch sonst“, schreibt Edo Reents in der FAZ.

„Es gibt keine andere Instrumentierung, mit der man entweder durch epischen Fluss beim Zuhörer die Bereitschaft, sich durch Melodramatik noch zusätzlich bewegen zu lassen, erhöhen kann oder, durch nervöses Zittern, die angstvolle Spannung. … Man mag eine Ironie darin sehen, dass die schönste Musik dieses Alleskönners seine untypischste ist: ‚Rose’s Theme‘ aus Lynchs gleichfalls untypischstem und eben auch schönstem Film ‚Straight Story‘ (1999). Die zart, unendlich wehmütig perlende Harfe lässt einem Sissy Spaceks unaufhebbare Traurigkeit direkt ins Herz schießen; man wünscht, dass dieser Schmerz nie aufhört.“ © Text: Efeu/Perlentaucher



Angelo Badalamenti: Das italoamerikanische Moll

Angelo Badalamenti, der große Filmkomponist, schrieb viel für den Regisseur David Lynch: unheimlich, überwältigend, tüchtig. Nun ist er im Alter von 85 Jahren verstorben. Von Tobi Müller.

In den USA wurde die Fernsehserie Twin Peaks schon im Frühjahr 1990 ausgestrahlt, der deutsche Sprachraum musste in dieser fernen Zeit vor dem Internet noch anderthalb Jahre warten. Ausgerechnet RTL plus, ein scheinbar kulturferner Privatsender, nahm die Serie – eine Mischung aus Horror, Psycho und viel Soap – im Herbst 1991 schließlich ins Programm. Regisseur David Lynch lancierte damit das Serienzeitalter, in dem wir bis heute stecken. Der Startschuss zur neuen Epoche hatte zwei Akkorde und einen Klang: Da-dammmmm, da-Dammmmm. Die Erkennungsmelodie triggert mit scheinbar einfachsten Mitteln die halben Neunzigerjahre und eine neue Ästhetik. Der Komponist: Angelo Badalamenti, geboren 1937 in Brooklyn als Kind sizilianischer Einwanderer.

Einfach sind die Mittel natürlich höchstens, wenn man das instrumentale Twin Peaks Theme streng als notierte Musik hört. Ein schwer zu enträtselndes Instrument spielt die Quinte als Auftakt und auf der Eins den Grundton eines Dur-Akkords, im zweiten Takt dasselbe mit dem der Tonart entsprechenden Mollakkord eine Terz tiefer. Keine Zauberei, und doch ist das bereits die Hook, der Fanghaken, den Millionen geschluckt haben.



© Zeit Online, Kultur, Musik, 13.12.022

(Visited 27 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.