Musiktipps

Bernd Gürtlers Musiktipp: V.A. – Hallo 22 (Amiga/Sony)

Die kochen auch bloß mit Wasser, argumentierten gestandene Ostrockmusiker gegenüber ihrem Ostpublikum, als es sich im Wendeherbst 1989 sofort und unverzüglich den Westkollegen zuwandte, die für die meisten bis dahin unerreichbar gewesen waren.

Mag sein, dass da was dran ist, lautete die ebenso häufige Erwiderung. Aber das Wasser der amerikanischen, britischen und westdeutschen Kollegen ist einfach heißer! Eine grobe Fehleinschätzung, fanden Max Herre und Dexter. Zwei echte Bescheidwisser, die beiden und sorgen mit ihrer Compilation „Hallo 22“ für eine Neubewertung der Geschichte.

Bevor Max Herre Ende der Neunzigerjahre als Mitglied von Freundeskreis selbst im HipHop aktiv wird, frequentiert er zuhause in Stuttgart den Hi-Club, nur um festzustellen, dass der Discjockey James Brown und Al Green mit Künstlern des Ostberliner Schallplattenlabels Amiga, wie Manfred Krug oder Veronika Fischer, kombinieren konnte, ohne dass das Partyvolk fluchtartig den Tanzboden verlässt.



Dann Umzug nach Berlin, dort intensives Stöbern auf Flohmärkten nach Scheiben aus dem Amiga-Repertoire, besonders wenn Günther Fischer als Mitwirkender vermerkt wird, ist sein Interesse geweckt. Für sein erstes, nach ihm selbst benanntes Soloalbum, covert Max Herre Citys „Der King vom Prenzlauer Berg“. Sein Album „Athen“ von 2019 enthält in „Nachts“ Referenzen an den gleichnamigen Song von Panta Rhei.


© Talkingmusic, 5.1.2023



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