„Black Power ist eine Ermutigung“ Shabaka Hutchings im Gespräch mit Peter Kemper

Zugang zu den eigenen Kraftquellen finden: Der Saxofonist Shabaka Hutchings spricht über sein afrikanisches Erbe, Sound-Mysterien und die Black-Power-Bewegung.

Shabaka Hutchings gilt als Wortführer des britischen „Nu-Jazz“. Mit seinen karibischen Wurzeln und der Liebe zur afrikanischen Musik entwickelte er sich zu einem der interessantesten Saxofonisten der Gegenwart. Jetzt erscheint das neue Album „Black to the Future“ seiner Band Sons Of Kemet, die mit ihrer ungewöhnlichen Rhythmusgruppe von zwei Schlagzeugern und Tuba seit Jahren für Furore sorgt, auf dem geschichtsträchtigen „Impulse!“-Label. Wir erreichten Shabaka Hutchings telefonisch in London.

Mr. Hutchings, ich möchte gern auf die besondere „schwarze Ästhetik“ zu sprechen kommen, die Sie auf Ihrem neuen Album verfolgen. In einem begleitenden Statement verknüpfen Sie Ihre Konzeption von „Blackness“ mit Fragen der Menschlichkeit, der Natur und der spirituellen Sphäre. Warum ist Blackness für Sie eine philosophische Kategorie?

Unter Blackness verstehe ich eine bestimmte Art und Weise, die Welt zu sehen, indem man sich an traditionelle afrikanische Praktiken erinnert, an uralte ontologische Auffassungen. Man muss sich der Verbindung zwischen der menschlichen, der natürlichen und der spirituellen Welt bewusst sein, die ja einmal in einer einzigen zyklischen Gesamtkonzeption miteinander verschmolzen waren ….


Wie würden Sie Ihre Musik bezeichnen? Als „Creative Music“ oder „Great Black Musik“ oder als irgendetwas anderes? Ist „Jazz“ für Sie nur noch ein anachronistischer Begriff?

Ja, ich vermeide, meine Musik als Jazz zu bezeichnen. Ich finde, das ist ein einengender Terminus, bei dem die Leute gleich zu wissen meinen, um was für eine Musik es sich handelt. Aber ich habe auch keine perfekte Bezeichnung für die Musik, die ich mache. Sie ist zu komplex für einen einzigen Begriff und immer in Veränderung. Vielleicht muss man ja auch nicht immer alles bezeichnen, um es zu verstehen.

© FAZ, Kultur, Musik, 11.5.2021

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