„Blue Note Africa“ Kultureller Jetstream. Von Andrian Kreye
Blue Note startet mit dem Pianisten Nduduzo Makhatini einen Ableger auf der südlichen Halbkugel. Das hätte das Potenzial, den Kulturaustausch zwischen den Kontinenten auf Touren zu bringen.
Neulich war Don Was in Südafrika. Der Labelchef von Blue Note feierte dort die Gründung des Ablegerlabels Blue Note Africa. Dafür zog er mit dem Pianisten Nduduzo Makhatini auf Konzerttournee, der das erste Album auf dem neuen Unterlabel veröffentlichte. Das ist schon mal ein großer Wurf. „The Spriti of Ntu“ ist eine episch angelegte musikalische Aufarbeitung des philosophischen Konzeptes des Ubuntu.
Das beruht, sehr verknappt gesagt, auf dem Credo „Ich bin, weil Du bist“, was man durchaus als kollektivistische Antipode zum Individualismus des „ich denke, also bin ich“-Westens verstehen kann. So funktioniert dann auch das Album in einem System kollektiver Improvisation, die aus der Gemeinsamkeit zum Solo findet. Und nicht wie so viele Formen des modernen Jazz aus der Brillanz des Einzelnen zum Gemeinsamen.
© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 5.7.2022