„Cut-up mit den losen Fäden“ Lucrecia Dalt und Aaron Dilloway im Duo als „Lucy & Aaron“

„Lucy & Aaron“ veröffentlichen neuen Experimental-Pop. Dabei entlocken sie Synthesizer und Stimmsample einen regelrechten Schluckauf. Vorgestellt von Jens Uthoff.

Es sind gewisse Parallelen in den Heimstudios der kolumbianischen Künstlerin Lucrecia Dalt und ihres US-Kollegen Aaron Dilloway zu entdecken. Neben etlichen Synthesizern und Verstärkern liegen dort eine Reihe Gegenstände und Materialien zum Experimentieren herum.

So kann man Lucrecia Dalt etwa in einem Video von einem Auftritt im Berliner Haus der Kulturen der Welt dabei zusehen, wie sie Signale über Membrane auf ein Metallpapier jagt und auf diese Weise Klänge erzeugt, und auch Aaron Dilloway lässt Interessierte im Netz an seiner Arbeit teilhaben: Während des ersten Lockdowns streamte er eine Performance, bei der Hühner auf Becken, Metallen und Gitarren herumpicken. Interessant, diese Chickensounds aus dem Klanglabor.

Die 41-jährige Dalt und der 45-jährige Dilloway haben nun ein Duo-Album namens „Lucy & Aaron“ aufgenommen. Beide sind hochgeschätzt in der experimentellen Musikszene: Aaron Dilloway ist in der Nähe von Detroit aufgewachsen, bekannt wurde er mit der Band Wolf Eyes, deren Kracheskapaden auf der Bühne für Noise-Fans einer Offenbarung glichen.

2005 verließ er die Band, seither nahm er zahlreiche Soloalben, aber auch diverse Kollaborationen mit anderen Künst­le­r:in­nen auf. Zudem betreibt er das unabhängige Label Hanson Records, auf dem das Album auch veröffentlicht wird.



Mit jedem weiteren Hören erschließt sich eine noch tiefer liegende Schicht, ein neues Nebengeräusch, eine weitere Spur. „Lucy & Aaron“ ist ein nachhaltiges Hörerlebnis. Wer sich für experimentelle Musik interessiert, kommt um diese Musik ohnehin nicht herum.

© TAZ, Kultur, 12.7.2021


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