Das besondere Konzert: Morton Feldman: Piano and String Quartet
Es war ein besonderer Konzertabend am 28. Juni im Bremer Sendesaal. In einem der ersten Konzerte nach dem Corona-bedingten Lockdown war im Sendesaal auch wieder ein begrenztes Publikum zugelassen. Das Bremer „Ensemble New Babylon“ spielte in seiner Reihe „Ein Stück – ein Konzert“ das 1985 entstandene Klavierquintett des Amerikaners Morton Feldman.
Der schrieb über sein gut 80-minütiges Stück: „Meine ganze Generation hielt sich an die 20- bis 25-Minuten-Stücke. Das war unsere Uhr. Wir alle kannten sie und wussten mit dieser Uhr umzugehen. Sobald man aber einsätzige 20-bis 25-Minuten Stücke hinter sich lässt, entstehen andere Probleme. Bis zu einer Stunde Dauer denkt man über die Form nach, doch nach eineinhalb Stunden zählt der Umfang. Form ist leicht – das ist einfach die Gliederung von Dingen in Teile, doch der Umfang ist eine andere Angelegenheit. Man muss das ganze Stück überblicken – dazu bedarf es einer erhöhten Art der Konzentration. Vorher waren meine Stücke wie Objekte; jetzt sind sie wie sich entwickelnde Dinge.“
Wenn ein einzelnes Stück die Schönheit und die hypnotische Kraft von MortonFeldmans Endwerken verkörpert, dann ist es das Piano and String Quartet, 1985 nur zwei Jahre vor seinem Tod komponiert. „My favourite piece in my whole life“ nennt Feldman es selbst. Innerhalb seines Spätwerks wirkt es in seiner relativen Kürze und inneren Konzentration fast klassisch, vielleicht eine Spur dichter als die zeitlich extrem dimensionierten Spätwerke.
Das Ensemble New Babylon spielte das Stück im Sendesaal mit bezwingender Intensität und großer innerer Ruhe – eine musikalische Meditation, die sich dem Tempo unserer schnelllebigen Zeit ganz bewusst entzieht.
Morton Feldman: Piano and String Quartet
Ensemble New Babylon:
Ekkehard Windrich und Johannes Haase, Violinen
Yuko Hara, Viola
Esther Saladin, Violoncello
Mireia Vendrell del Álamo, Klavier
Mitschnitt vom 28. Juni 2020 aus dem Sendesaal Bremen
© Bremen 2, Klassikwelt in concert, 11.10.2020