Nachhören

Das Buch ist das Ungeheuer – Herman Melvilles Moby Dick

Mit seinem grandiosen Roman Moby Dick wurde Herman Melville weltberühmt posthum. Heute gehört das Buch über Kapitän Ahabs fanatischem Kampf mit dem weißen Wal zu den Meisterwerken der Weltliteratur. Zur Zeit seines Erscheinens hat der monströse Roman seine Zeitgenossen schlicht überfordert.

Von Sven Ahnert

Mit dem Furor alttestamentarischer Rachelust sticht Kapitän Ahab mit der Walfang-Brigg Pequod in See, das weiße Ungetüm Moby Dick, das ihm einst ein Bein abriss, zur Strecke zu bringen. Am Ende wird die kalte See zum Grab für die Pequod – allein der Erzähler Ishmael überlebt diese Reise ans Ende der Nacht. Genug Stoff für einen gradlinig erzählten Seefahrer-Roman mit Bestsellerqualitäten. Der vor 200 Jahren geborene Herman Melville enttäuschte aber sein Lese-Publikum und schuf in 135 Kapiteln nichts weniger als eine düstere psychologische Parabel auf die Grenzen des Menschseins. Moby-Dick ist ein unbändiger poetischer Steinbruch, Wal-Enzyklopädie, Untergangsdrama antiken Zuschnitts und Vorbote der literarischen Moderne. Kurzum, das Buch selbst ist das Ungeheuer.

© SRF 2, Passage, 28.6.2019
(Visited 32 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.