„Der Blues ist farbenblind“ Das war selbst Geoff Muldaur nicht von Anfang an klar

Der Sänger und Blues-Forscher hat die amerikanische Roots Music mitgeprägt, er war Vorbild für Bob Dylan – und mit 78 Jahren legt Muldaur sein Opus magnum vor. Von Andreas Schäfler.

Die Karrieren der Jugendfreunde Geoff Muldaur und Joe Boyd, zweier unternehmungslustiger Jungs aus der weissen, amerikanischen Mittelschicht, begannen wie im Märchen. Von ihren älteren Brüdern früh mit schwarzer Musik infiltriert, machten sich die beiden Studenten in den frühen sechziger Jahren auf die Suche nach vergessenen Blues-Veteranen, um diese in Wohnzimmern und Schulaulen auftreten zu lassen. Doch bald wurden aus den Grünschnäbeln professionelle Konzertveranstalter, die zum Aufblühen der Klubszene in Boston beitrugen.

«Ein Vorurteil, zu dem wir uns gemeinschaftlich bekannten», erinnert sich Boyd später in seiner Autobiografie, «war die Verachtung für weisse Bluessänger. Was konnte lächerlicher sein?» Aus Boyd wurde dann bald ein umtriebiger Konzertveranstalter und Plattenproduzent. Und aus Muldaur? Ausgerechnet ein Bluessänger! Und ein fabelhafter Gitarrist noch dazu. Zusammen mit Jim Kweskin hob er eine stilbildende Jug-Band aus der Taufe. Er heiratete dann die Sängerin Maria d’Amato und stand bald schon beim Newport Festival auf der Bühne. Wenn das kein Bilderbuch-Aufgalopp in die goldene Hippie-Ära war!


Geoff Muldaur


© NZZ, Feuilleton, 5.10.2021

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