Dem Erbe verpflichtet „His Last Letter“ Neues Album von Geoff Muldaur

„His Last Letter“ von US-Künstler Geoff Muldaur führt tief hinein in die Geschichte von Jazz, Blues und Folk. Zudem bringt es Vergessenes ans Licht. Von Julian Weber.

Die Urszene dieser Musik findet in New Orleans statt, dem Geburtsort des Jazz. Seine Hebammen sind Rhythmen, die Sklaven aus Afrika einst mit in die Neue Welt gebracht haben, wohin sie brutal verschleppt worden waren und wo erst die subversive Kommunikation mit Musik ihr Leben erträglicher gestaltete.

Als Nabelschnur dient der Mississippi, mythenumrankter Fluss, der die afroamerikanische Musik auf dem Hauptstrom zunächst ins ganze Land und schließlich hinaus in die Welt spült. Längst ist Jazz, genau wie Blues und Folk, von seinen Wurzeln abgenabelt und in den USA als national heritage klassifiziert. In diesem Prozess sind seine schwierigen, von Rassismus begleiteten Geburtsumstände verloren gegangen.

Deren Nachwehen, die moralische Panik, die Jazz bei den Konservativen auslöst, ist 1962 noch zu spüren. Es ist eine Begebenheit aus jenem Jahr, mit der der US-Singersongwriter Geoff Muldaur auch „His Last Letter“ beginnen lässt, sein neues Album, für das er 17 Blues-, Jazz- und Folkstandards in delikaten Fassungen und eine Eigenkomposition aufbietet.



© TAZ, Kultur, Musik, 12.9.2021

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