Der Zenmeister, die Samuraikriegerin und der Luftgeist

Zurück zum reinen Klang: der dänische Gitarrist Jakob Bro, Midori Takada und Gäste im Pierre Boulez Saal. Von Gregor Dotzauer.

Musik, die nicht wie Musik klingt. Das ist die erklärte Idee, die Jakob Bro umtreibt. Oder besteht sie nur aus Wörtern, denen sich kein Sinn verleihen lässt? Denn woraus außer einem Phantasma soll eine Musik bestehen, die nicht wie Musik klingt? Jeder Versuch einer Umsetzung lebt vom Widerspruch, dass sich jeder Ton sofort wieder auslöschen müsste – als wäre er ein verbotener Schritt in eine Wirklichkeit, die lieber im Reich der Möglichkeiten verharren sollte.



Im Pierre Boulez Saal hört sich die Probe aufs Exempel so ätherisch an, dass man sie am liebsten mit der Metapher des Außerweltlichen belegen würde. Doch natürlich findet die Musik des dänischen Gitarristen im Hier und Jetzt statt, mit fixierten Tonhöhen und definierbaren Farben. Dennoch ist vor allem die erste, frei improvisierte Stunde im Duo mit der japanischen Perkussionistin Midori Takada in ein jenseitiges zeremonielles Dämmer getaucht, aus dem diese Musik gar nicht erwachen will: Nichts scheut sie mehr als Entwicklung oder Einfälle.



© Der Tagesspiegel, Kultur, 2.5.2022

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