DerStandard: Kruder & Dorfmeister „Jetzt fühlt es sich richtig an“
Das Wiener DJ-Duo veröffentlicht nach 25 Jahren ein spätes altes und damals vergessenes Debütalbum namens „1995“.
Christian Schachinger im Interview mit Kruder & Dorfmeister.
Vor exakt einem Vierteljahrhundert hätte dieses Album ursprünglich erscheinen sollen. Aufgrund des damaligen und bis heute anhaltenden Welterfolgs und der vielen Termine ist es nie veröffentlicht worden. Die Bänder verschwanden im Archiv. Es passt zum Zeitgefühl des Wiener DJ-Duos Kruder & Dorfmeister, dass es nun mit ein wenig Verspätung auf den Markt kommt. Die Tracks von 1995 klingen dennoch frisch und knackig.
STANDARD: Wie kommt es, dass Sie jetzt erst nach dem Welterfolg der „DJ-Kicks“-Kompilation von 1996 und der „K&D Sessions“ von 1998 dieses späte Debütalbum veröffentlichen?
Dorfmeister: Die offizielle Story ist: Nachdem wir zwei Jahre auf Tour waren, sind wir wieder zusammengesessen und haben aus einer alten Listening-Session diese White-Label-Pressung herausgezogen und sie seit Jahren wieder mal angehört. Wir haben uns gedacht, das klingt irgendwie zeitgemäß. Wir haben uns durchgerungen nach einem ziemlich großen technischen Hin und Her … Es scheint aktuell zu sein, denn wir hätten es vor fünf Jahren nicht gemacht – und dann in fünf Jahren auch nicht. Es ist wirklich ein guter Zeitausschnitt, der 26, 27 Jahre alt ist. Jetzt fühlt es sich richtig an.
STANDARD: Sie haben in den frühen 1990er-Jahren eine Schule mitbegründet, die in Wien eine Zeitlang als „Kruder-und-Dorfscheißerei“ bezeichnet wurde. Die ist dann so ins Rokokohafte abgedriftet, mit weichen Jazzrock-Fusion- und Wohlfühlsounds für Kaffeehäuser. Wenn man aber Ihr Album hört, merkt man, es klingt erstaunlich frisch. Minimalistisch, knackig. Haben Sie etwas Neues zu den Bändern hinzugefügt?
©DerStandard, Kultur, 9.11.2020 // Beitragsfoto von Andreas+H.+Bitesnich