DerStandard: Moor Mother – König Tinnitus greift in die Steckdose Von Christian Schachinger
Politische Musik muss auch körperlich wehtun. Die afroamerikanische Spoken-Word-Künstlerin Moor Mother geht gegen strukturellen Rassismus und das Erbe der Sklaverei vor.
Die aus Philadelphia kommende US-amerikanische Spoken-Word-Künstlerin, Musikerin und Politaktivistin Camae Ayewa alias Moor Mother zählt seit einigen Jahren zu den meistgebuchten Künstlern eines Genres, das schon seit geraumer Zeit eine Neuausrichtung versucht. Zumindest von der Buchungslage her findet eine Ablöse weißer alter Männer statt, die zu brülllauten, kreischenden und pfeifenden elektronischen Weltuntergangssounds das Auseinanderbrechen der westlichen Kleinfamilienstruktur, eigene psychische Probleme, Paranoia sowie das allgegenwärtige, die Weltherrschaft anstrebende „System“ zwischen Politik, Religion und gesellschaftlichem Druck beklagen.
© DerStandard, Kultur, 26.11.2019