„Dicke Bretter“ Franz Fühmann wäre am 15. Januar 100 Jahre alt geworden

Wie bei nur wenigen anderen Schriftstellern spiegeln sich in seinem Leben und Werk die politischen Brüche des 20. Jahrhunderts. Von Lukas Betzler.

»Literatur ist immer Literatur im Widerspruch«, sagte der Schriftsteller Franz Fühmann 1976 in einer Rede über E. T. A. Hoffmann. Auch auf Fühmanns eigenes Werk trifft diese Aussage zu. Sein Leben und die Verhältnisse, in denen es sich ereignete, waren nur zu reich an Widersprüchen, die zu entfalten, auszutragen, manchmal auch zuzuspitzen er als Aufgabe der Literatur betrachtete.


Franz Fühmann

Fühmann wurde am 15. Januar 1922 als Sohn sudetendeutscher Eltern im böhmischen Rokytnice nad Jizerou (Rochlitz an der Iser) geboren. Die märchenhaft anmutende Landschaft des Riesengebirges, dessen Täler, Moore und Wälder seine Phantasie mit Geistern und Dämonen bevölkerte, prägte Fühmanns Kindheit. Noch wichtiger waren aber wohl die »rüde nationalistisch-faschistische Lebenssphäre« des Sudetenlands und die autoritäre Erziehung durch seine erzkonservativen Eltern und seine Lehrer. Seine Schulzeit nannte Fühmann rückblickend »eine gute Erziehung zu Auschwitz«.


So skrupulös und kompromisslos wie Fühmanns Selbstbefragung war auch sein Schreiben, das ihm nur quälend langsam und mit unzähligen Über­arbeitungs­schritten gelang.

Lukas Betzler

© JungleWorld, 13.1.2022

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