Die Avantgarde des Pop: Jenny Hval und ihre „Classic Objects“
Die norwegische Musikerin und Performerin versucht es aktuell mit einem zumindest in die Nähe des Mainstreams kommenden Popalbum. Von Christian Schachinger.
Zeitgleich zum deutschsprachigen Erscheinen ihres 13 Jahre alten erotischen Gruselromans Perlenbrauerei veröffentlicht die norwegische Autorin und renommierte Avantgardemusikerin Jenny Hval erstmals in ihrer Karriere mit Classic Objects ein reines Popalbum. Eigentlich ist die 41-Jährige ansonsten mehr auf den Donaufestivals dieser Welt zu Hause. Die vom Performativen kommende Künstlerin ist also traditionell den sperrigen Formen zugeneigt.
Auf Arbeiten wie Innocence is Kinky geht es um Genderfragen, den weiblichen Körper, Kapitalismus und Religion. Blood Bitch von 2016 handelt von Blut, Vampirismus und Menstruation. Mithin hört man in einer Mischung aus Spoken Word, esoterischer Meditationselektronik und Horrorfilm-Soundtracks eine Musik, die eher nicht für das Tagesprogramm geeignet ist.
© Der Standart, Kultur, 23.3.2022