„Dinge ungewohnt sehen“ Der amerikanische Komponist und Pianist Frederic Rzewski (1938 – 2021) Von Carolin Naujocks
Virtuos und unbeirrt kannte man Frederic Rzewski als Pianist und Komponist. In den 70er Jahren versuchte er das bürgerliche Konzertpublikum mit einem Variationenzyklus über ein chilenisches Protestlied zu politisieren.
Frederic Rzewski hatte in Harvard und Princeton bei den amerikanischen Altmeistern Randall Thompson, Roger Sessions, Walter Piston und Milton Babbitt studiert, bevor er 1960 nach Italien ging. Dort eröffnete sich ihm einen anderer Horizont, dessen Offenheit er zeitlebens verfolgte.
Eigentlich war es eine Rebellion gegen die eigene Herkunft: Mitte der 60er Jahre gründeten die Amerikaner Frederic Rzewski, Alvin Curran und Richard Teitelbaum u.a. in Rom die Gruppe Musica Elettronica Viva. Im fruchtbaren Niemandsland zwischen zeitgenössischer komponierter und improvisierter Musik versuchten sie eine neue musikalische Grundlegung jenseits von Notation und akademischen Institutionen und andere als die traditionell hierarchisch gegliederten Musizierformen auszuprobieren. Revolutionär an diesen Experimenten war gar nicht so sehr, was dabei herauskam, als vielmehr der Prozess als solcher.
Frederic Rzewski
Unlogische Folgerungen
Ein Vortrag mit Musik
A Life (1992) für Klavier
John Cage gewidmet
Frederic Rzewski, Klavier, Sprechstimme
Aufzeichnung vom 13.10.2007 im Kölner Loft
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 1.7.2021