Ernst-von-Siemens-Preis 2024: Unsuk Chin
Von Eleonore Büning. Die Komponistin Unsuk Chin wurde durch György Ligeti geprägt, der nur das Eigene und Echte gelten ließ. Für ihr Schaffen erhielt sie im Mai den Ernst-von-Siemens-Preis, den inoffiziellen Nobelpreis der Musik. Nun unterrichtet Chin zum zweiten Mal an der Festival Academy in Luzern – wiederum auf ihre Weise.
In diesem Sommer wird die Komponistin Unsuk Chin zum zweiten Mal nach Luzern reisen, um im Composer-Seminar als Coach auszuhelfen, im Tandem mit ihrem Kollegen Dieter Ammann und als Einspringerin für den erkrankten Wolfgang Rihm. Diesmal will sie länger bleiben, die intensive Zeit mit den Mitstreitern an der Festival Academy voll auskosten. Sie kann und will Rihm nicht ersetzen. Das war von vornherein klar. Aber Unsuk Chin, dieser freie Geist, passt wie angegossen in Rihms offenes Konzept.
Chin gehört zu keiner Schule, keiner Seilschaft. Sie hat auch nie eine Professur angenommen an einer Musikhochschule. Sie sagt: «Kann ich das überhaupt: andere auf den Weg bringen, Komponist zu werden? In dieser Frage bin ich ein bisschen ambivalent, ich denke mir, ich sollte vielleicht eher davon abraten!» Selbst in den eigenen Meisterklassen, die sie als Composer-in-Residence in Seoul gab, habe sie es vermieden, auf herkömmliche Weise zu «unterrichten». Sie lacht und fügt hinzu: «Aber letztes Jahr, in Luzern, da war Unterricht für mich zum ersten Mal eine sehr schöne Erfahrung!»
© NZZ, Feuilleton, 5.7.2024