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Essay: „Es zählt, was sich zählen lässt!“ Die Logik des Digitalen

Von Roberto Simanowski. Quantität ist das zentrale Qualitätskriterium unserer Zeit. In sozialen Netzwerken ist es die Anzahl der Freunde, Follower, Views, Likes und Shares, die Erfolg und Status bestimmt. Klicks entscheiden über Sichtbarkeit in der digitalen Welt.

Die Zahlenobsession in sozialen Netzwerken, in denen es um Views, Likes und Follower geht, führt nicht zu neuen qualitativen Höhen, sondern in eine Kultur des Mainstreams. Zahlen werden längst zu Orientierungsmitteln für wichtige lebenspraktische Entscheidungen: Vom Übereinstimmungskoeffizienten auf Dating-Plattformen hängt die Partnerwahl ab, das Ranking der Universitäten und ihrer Mitarbeiter scheint die Einkommenshöhe ihrer einstigen Studierenden zu bestimmen, wird so zum zentralen Kriterium für Entscheidungen über den eigenen Werdegang.

Zudem werden menschliche Interaktionen zunehmend von Zahlen beeinflusst, von der Bewertung der Turker (auf Amazons Mechanical Turk-Plattform für Minijobs) und des Uber-Fahrers (und seiner Mitfahrerin) sowie den Konzepten bis zu den Experimenten mit Social Credit System, die jede Handlung in eine Zahl übersetzen, um einen Ergebnis-Score zu ermitteln, der den Platz eines Individuums in der Gesellschaft bestimmt.



© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 11.02.2024

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