Essay und Diskurs: Japan Projektionen (2017) Alle 3 Teile
„Essay und Diskurs“ darf zu den wichtigsten Sendereihen überhaupt gezählt werden. Aktuell und zeitkritisch werden Ereignisse, gesellschaftliche Themen oder kulturelles aufgegriffen und besprochen. Dieses Fundstück verdanke ich einen Tipp und das möchte ich gerne mit euch Teilen.
Japan Projektionen (1/3): Der Reisende im Reich der Zeichen
Wenn es Japan nicht gäbe, müsste man es erfinden. Ungefähr so ließe sich die Begegnung des Essayisten Roland Barthes mit „Japan“ beschreiben, einem Land, das gleich zu Beginn seines Reiseberichts in Anführungszeichen auftritt, da es zwar real existiert, aber auf den Seiten des Berichts noch eine zweite Existenz führt, die ganz aus der Projektion und dem Begehren entsteht. Von Stefanie Diekmann.
Japan, das Reich der Zeichen, ist das Land, in dem der Reisende als Leser unterwegs ist und im Theater und in der Kalligrafie, in den Restaurants und Kaufhäusern, im Straßenverkehr und in den Spielhallen vor allem eines entziffert: dass die Zeichen auf ihn gewartet haben.
Stefanie Diekmann betrachtet in ihrem Essay „Japan Projektionen“ das Verhältnis von Entdeckung und Verkennung Japans durch seine westlichen Besucher, ausgehend von den Miniaturen in dem Buch „Das Reich der Zeichen“, das Roland Barthes 1970 publiziert hat.
Japan Projektionen (2/3): Das japanische Kino als ferner Beobachter
Das japanische Kino gehört schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu den reichhaltigsten weltweit. Die Geschichte seiner Rezeption in Europa und den USA setzt jedoch erst in den 50er-Jahren ein – und ist eine Geschichte der Missverständnisse. Von Lukas Foerster.
Wo die westliche Kritik im Fremden zunächst nur die Bestätigung des Eigenen suchte und sich darauf beschränkte, die Liste der Meisterwerke und -regisseure um ein paar japanische Titel und Namen zu erweitern, erhob sie in den 70er-Jahren die japanische Filmästhetik zum Fetisch des absolut Anderen. Auf der Strecke bleibt in beiden Fällen – und in vieler Hinsicht bis heute – die komplexe Normalität einer faszinierenden Filmkultur.
Lukas Foerster betrachtet in seinem Essay der Japan Projektionen die Geschichte der europäischen und amerikanischen Rezeption des japanischen Kinos.
Japan Projektionen (3/3): Das „wahre“ Japan in der Fotografie
Die Fotografie ist in hohem Maße mit der Realität verknüpft, denn sie bildet das ab, was sich vor der Kamera zeigt. In den 1860er-Jahren schuf der europäische Fotograf Felice Beato erste Bilder von Japan, die dokumentarischen Charakter hatten. Gleichzeitig etabliert er aber sogenannte Costumes: Er inszeniert mithilfe von Schauspielern, Requisiten und gemalten Hintergründen Fotografien von Geishas, Samurai, Ringern und Lastenträgern in landestypischer Kleidung. Von Esther Ruelfs.
Unser an der Postmoderne geschultes Auge sieht darin Hybride, die westliche Erwartungen wie auch Aspekte der japanischen Gesellschaft einbeziehen und vielleicht mehr von den europäischen Wünschen und Sehnsüchten erzählen als von dem fremden Land. Auf die historisch korrekte Garderobe der Geisha jedenfalls legte man kaum Wert.
Bitte Sie vielmals, diese drei Teile wieder zur Verfügung zu stellen!
Alle Teile sind online.