„Every Day I Have the Blues“, Die Lange Nacht über das Eisenacher Archiv für Blues, Jazz und Rock.

Horst Lippmann und Fritz Rau waren Musikliebhaber, die sich schon während des Nazi-Regimes mit Jazz, Blues und populärer Musik beschäftigten. Sie hinterließen kulturelle Schätze, die heute im Lippmann+Rau-Archiv Eisenach zu erleben sind. Von Knut Benzner.

Eisenach ist ein beschauliches Städtchen. Die Bevölkerung hält sich seit einigen Jahrzehnten konstant bei etwa 41.000 Einwohnern. Bekannt als Geburtsort von Johann Sebastian Bach und Horst Lippmann, der 1927 in Eisenach geboren wurde, bevor seine Eltern nach Frankfurt am Main übersiedelten.

Horst Lippmann (1927-1997) und Fritz Rau (1930-2013), Namensgeber des Eisenacher Lippmann+Rau-Archivs, sind unter den Musikliebhabern jene gewesen, die Jazz, Rock und Blues nach Deutschland brachten.

Lippmann war Schlagzeuger und Bassist, Konzertveranstalter, Hörfunkautor, Fernsehregisseur, Mäzen. Er hatte 1941 in Erinnerung und wahrscheinlich auch Verehrung an Django Reinhardt und Stéphane Grapelli und deren „Hot Club de France“ die „Hotclub Combo“ gegründet.

Unter der US-Besatzung hatten sich zwar die rechtlichen Bedingungen für Jazz und Blues zum Positiven gewandelt, aber die Einstellung vieler Menschen und Institutionen gegenüber dem Jazz als sogenannter „Neger-“, „Urwald-“ und „Judenmusik“ bestand fort. Die Agenturen weigerten sich, Konzerte dieser Art zu veranstalten.

Also hat sich Lippmann gedacht: Mache ich das selbst. 1955 lernte Lippmann Fritz Rau kennen, Gerichtsreferendar und Rechtsanwalt aus Pforzheim, nebenbei Tourneeleiter und Kofferträger. 1963 bot Lippmann Rau eine Zusammenarbeit in dessen Konzertagentur an: Lippmann + Rau war geboren.

Bekannt wurden die beiden dann durch das American Folk Blues Festival, es folgten Tourneen mit Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Joan Baez, Bob Dylan, Marlene Dietrich.




© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 27.8.2022

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