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Festival Maerzmusik „Von Mäusen und Pferden auf Ecstasy“

Von Clemens Haustein. Die neue künstlerische Leiterin Kamila Metwaly hat das zwischenzeitlich an Seminaritis erkrankte Festival Maerzmusik in Berlin einer elektronischen Kur unterworfen. Es gibt endlich wieder was zu hören.

Seit 2022 ist die Musikjournalistin und Musikerin Kamila Metwaly mit im Boot, zunächst als leitende Kuratorin, seit 2023 als künstlerische Leiterin. Das Gesicht der Maerzmusik hat sich seitdem deutlich geändert: Aus einer Veranstaltung für distinktionsbewusste Zeitphilosophen ist ein Festival geworden, das wieder dem Hören auf den Grund gehen möchte mit einem erschlagenden Angebot an Konzerten, Ausstellungen und Gesprächen. Metwaly, Tochter einer Polin und eines Ägypters, in Warschau geboren, in Kairo aufgewachsen, heute dort lebend (im Wechsel mit Berlin), scheint exzellent vernetzt zu sein in der internationalen Szene experimentieraffiner Neuer Musik. Hinzu kommt eine nicht selbstverständliche Teamfähigkeit: eine ganze Reihe an Ko-Kuratoren listet das Programm auf, darunter Christine Chapman und Marco Blaauw, beide Mitglieder des Kölner Ensembles Musikfabrik, die eine Hornistin, der andere Trompeter, beide Koryphäen für Neue Musik auf ihrem Instrument.



So kommt es, dass beim Eröffnungswochenende des diesjährigen Festivals Ensembles aus Paris, Singapur, Wien und New York zu erleben waren. Der in Berlin gern erhobene, nicht selten sich in Neoprovinzialität festfahrende Anspruch auf internationale Geltung: Hier scheint er eingelöst. Auch was das Publikum angeht, das zu den Veranstaltungen des Wochenendes zahlreich erscheint: Verkehrssprache ist Englisch. Noch etwas hat sich geändert: der Fokus, der seit Metwalys Mitwirken auf der elektronischen Musik liegt. Gleich beim ersten von ihr allein verantworteten Festival 2023 legte sie einen Schwerpunkt auf die Klangwerke der Französin Éliane Radigue.



© FAZ, Kultur, Musik, 19.3.2024

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