Filmdienst Filmtipp: Schleimkeim – Otze und die DDR von unten
Erfrischende Doku über die DDR-Punk-Band „Schleim-Keim“ und das tragische Schicksal ihres Gründers Dieter Ehrlich. Eine Kritik von Claus Löser.
Über die DDR-Subkultur ist schon viel nachgedacht und veröffentlicht worden. Es gab und gibt Bücher, Ausstellungen und Symposien sowie viele Veröffentlichungen von Texten, Filmen und Musiken, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens nur einer extrem kleinen Klientel zugänglich waren. Und doch bleibt immer noch Neues zu entdecken – vor allem, wenn die Herangehensweise ungewöhnlich und erfrischend ausfällt. Jüngstes Beispiel: der Dokumentarfilm „Schleimkeim – Otze und die DDR von unten“ von Jan Heck.
Es ist kaum zu glauben, dass es dem 1991 südlich von Tübingen geborenen Regisseur gelang, dem Nischenthema „Ost-Punk“ so erhellende Aspekte abzugewinnen. Vielleicht ist es ja gerade der unverstellte Blick auf dieses halbe Land namens DDR, der dies möglich machte. Der Filmemacher war in seiner schwäbischen Jugend selbst ein (historisch spätberufener) Provinz-Punk. Er bekennt: „Mit 14 war Punk auf dem Dorf das Beste, was mir hatte passieren können. Punk vereinte alles, was mich begeisterte: Krach, Kunst, Rebellion, bisschen Politik, Lyrik, Weisheit und Schwachsinn.“
© Filmdienst, 02/2024