„Hoffentlich kein Abgesang“ Letzte Sendung „Universum JSB“ Von Gerald Felber
Über fast sieben Jahre demonstrierte die Sendereihe „Universum JSB“ im Deutschlandfunk Kultur, wie ein gut hörbarer Musikjournalismus klingen kann.
Vermutlich wird es – um die Rhetorik der Bachzeit aufzugreifen – kein Abschied „mit beträntem Angesicht“, sondern einer in heiterer Gelassenheit, untermischt mit spannenden und pikanten Details aus dem Privat-, Rechts- und Geschäftsleben der Aufklärungszeit. „Der Himmel weiß, wo diese Sachen hingekommen sind“: ein Stoßseufzer Carl Philipp Emanuel Bachs zur verworrenen Nachlasssituation seines Vaters Johann Sebastian wird am kommenden Mittwoch der letzten Folge von Michael Mauls radiophoner Bach-Biographie „Universum JSB“ die Titelzeile geben.
Seit Ende 2015 war sie, über 33 halbe Stunden hinweg, im Deutschlandfunk Kultur – anfangs noch Deutschlandradio – zu verfolgen; von Beginn an mit dem konsequent durchgehaltene Ansatz, das genannte „Universum“ im doppelten Sinne zu begreifen: nicht nur als Summe jener Werke, die bis heute den staunenswerten Bachschen Schaffenskosmos formieren, sondern vor allem als jene in Aufbruch und Gärung befindliche Welt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in die der Komponist gestellt war und an der er sich als höchst eigenwilliger, gelegentlich querulantischer Charakterkopf abarbeitete.
© FAZ, Feuilleton, 7.9.2022