„Ich höre zu und gehorche“ Ein Gespräch mit dem Schriftsteller David Mitchell
Ich habe es selber gelesen und kann es allen nur wärmstens Empfehlen !!!
Nach lesen …
Mit seinem 2004 erschienenen Roman «Der Wolkenatlas» wurde David Mitchell international bekannt. Warum greift er in seinem neuesten Buch, «Die Knochenuhren», nicht auf bewährte Erfolgsrezepte zurück?
David Mitchell, das zentrale Thema all Ihrer Romane ist die Zeit. Warum ist Ihnen etwas derart Abstraktes wichtiger als andere Motive?
Verbindet die Zeit nicht alles und jeden mit allem und jedem, vom Anbeginn des Universums bis zu seinem Ende? Und wunderbarerweise verbindet sie alles, indem sie es trennt. Nichts, zumindest nichts, von dem wir wissen, existiert ausserhalb der Zeit, dennoch kann sie alles, was geschieht, plötzlich anhalten. Einen Menschen, einen Schriftsteller zu fragen, warum die Zeit wichtig für ihn ist, gleicht der Frage an einen Fisch, warum das Meer für ihn wichtig ist. Die Zeit ist das Element, in dem wir leben. Oder vielleicht genauer: die «Zeiten», in denen wir leben. Planetare Zeit, geologische Zeit, historische Zeit, das Sonnenjahr, die Tageszeit, die Lebenszeit, die innere Uhr. Wie sollte diese Idee da nicht interessant sein?
Ihre Bücher sind subtil miteinander verknüpft. Der Roman «Die Knochenuhren» scheint jedoch eine Summe zu ziehen. Täuscht dieser Eindruck?
Vielleicht sind «Die Knochenuhren» tatsächlich eine Summe meines bisherigen Werkes, doch ich hoffe, sie sind mehr. Mir scheint es ein wenig wichtigtuerisch, Meinungen über meine eigenen Bücher zu äussern, so als würde ich mich selbst zum Kurator im David-Mitchell-Museum ernennen. Das wäre das Letzte, was ich tun wollte. Ich schreibe meine Romane so gut wie möglich, wenn ich aber Meinungen dazu hören muss, halte ich mir lieber die Hände über die Ohren und summe «La-di-da-di-da, ich kann Sie nicht hören, Jürgen.» ….
© NZZ,