„Ich setze mich dafür ein, dass dieser Ort einer wird, an dem ich das Gefühl habe, dazuzugehören.“
Musiker:innen über ihre Erfahrungen mit anti-asiatischem Rassismus. Von Jeffrey Arlo Brown.
In der Welt der klassischen Musik ist anti-asiatischer Rassismus so allgegenwärtig, dass er vielen Nicht-Betroffenen gar nicht mehr auffällt. Szenen wie in meinem ersten Studienjahr an der Royal Academy of Music in London, als ein koreanischer Kompositionsstudent ein einziges Mal zu spät zum Unterricht erschien, was den Professor zu einer ekelhaft karikierenden Nachahmung seines Akzents veranlasste, sind keine Seltenheit. Dieser Rassismus scheint – wie so vieles – in einer Mischung aus Ignoranz und drängenden, aber uneingestandenen Zukunftsängsten zu wurzeln. Von den Aussagen weltberühmter Musiker:innen bis zu anonymen Internetkommentaren hat die Diskriminierung asiatischer Musiker:innen einen hässlichen gemeinsamen Tenor: »In der klassischen Musik werden ›sie‹ ›uns‹ nicht ersetzen.«
Für diesen Text habe ich mit acht Musiker:innen aus Europa, den USA und Asien gesprochen, darunter Instrumentalist:innen, einem Sänger und einer Komponistin. Sie berichten, wie sie als Musikautomaten abgestempelt, unterschätzt und regelmäßig miteinander verwechselt werden und wie man ihnen immer wieder signalisiert, dass sie in dieser Kunstsparte keinen Platz hätten. Sie sprechen aber auch über ihren Optimismus und ihre Arbeit an eigenen musikalischen Utopien.
Wir wissen alle, wie gut das Kopieren in China funktioniert, dort werden Autos gebaut, so gut wie ein BMW oder Volkswagen, aber um einiges billiger … Es ist viel besser, die Berliner Philharmoniker mit Beethovens 1. Sinfonie nach China zu schicken, denn das ist etwas, was sich nicht nachbauen lässt.«
Daniel Barenboim, 2015
I. Wer ist hier unmusikalisch?
John Hong: Das Blöde ist: Meine Technik war früher mein Aushängeschild. Wenn man es objektiv betrachtet, musste ich mir wirklich erarbeiten, musikalisch zu spielen, das ging mir nicht so leicht von der Hand. Es ist schon seltsam, wenn solche Defizite dann mit Klischees, die im Kulturbusiness umherschwirren, zusammenkommen. Wenn man weiß, dass es ein Stereotyp gibt, und man dann anfängt, in diese Schublade zu passen … Es gab viele Momente, in denen ich mir gesagt habe: ›Vielleicht bin ich einfach nicht dazu bestimmt, musikalisch zu sein.‹ Das hat mein Denken über Musik lange Zeit stark geprägt.
John Hong, 28, ist ein in New York und Ottawa lebender Klarinettist und Autor. Aufgewachsen ist er in Amarillo (Texas).
© VAN Magazin, 4.8.2021