Im Zoom-Gespräch fragt sich Cat Power: „What the hell is music?“

Sie hat sich als Singer-Songwriterin profiliert, überzeugt nun aber nicht zum ersten Mal auch mit Coverversionen. Cat Power huldigt damit nicht der Nostalgie, sondern dem Hier und Jetzt. Von Hanspeter Künzler.

Als Cat Power sich «(I Can’t Get No) Satisfaction» von den Rolling Stones vornahm, machte sie daraus einen eigenen Song und liess den strapazierten Refrain einfach weg. Seither wissen wir, dass Cat Power eine begnadete Interpretin von Liedern ist, die andere Musiker in anderen Zeiten und unter anderen Umständen geschrieben haben. Wir wissen auch, dass ihr stilistisches Panorama keine Grenzen kennt.



Cat Powers Karriere als Songschreiberin begann mit minimalistischem Lo-Fi-Indie-Rock. Dann wurde sie immer stiller, ehe sie mit der ersten Sammlung von Coverversionen («The Covers Record», 2000) das Repertoire von Jagger/Richards, Bob Dylan, Bill Callahan, Lou Reed und anderen unter ihre eigenwillig geschliffene Lupe nahm. Eine Zeitlang näherte sie sich dem Country-Soul an, mit dem sie von ihrer unsteten Jugend in diversen Südstaaten her innig vertraut war. Dann erschien plötzlich und unerwartet das stromlinienförmig produzierte, mit elektronischen Klängen durchzogene Album «Sun» (2012).



Leben mit Liedern

Dass ausgerechnet dieses untypische Werk ein Bestseller wurde, irritierte sie selbst. Sie wusste nicht mehr recht weiter und stürzte, nicht zum ersten Mal, in eine schöpferische und psychische Krise. Überdies lernte sie nun die kaltschnäuzige Seite des Musikgeschäftes kennen. Ihr Indie-Label – sie hatte geglaubt, sich hier unter Freunden zu befinden – verlangte ein weiteres Album im Stil von «Sun». Als sie mit «The Wanderer» stattdessen eine abgeklärte und organisch eingespielte Sammlung intimer Songs ablieferte, setzte man sie auf die Strasse.

© NZZ, Feuilleton, 13.1.2022


Cat Power: Covers (Domino/Irascible).

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