„Jubiläum“ Sly & the Family Stone: Die Radikalisierung des Mainstreams
Vor 50 Jahren erschien das Album „There’s a Riot Going On“, ein Meilenstein der Populärmusik – düster und progressiv zugleich. Von Karl Fluch.
Kurz blitzen die 1960er noch einmal auf. Das Lied Family Affair verströmt noch einmal jenen Optimismus, von dem sich die Hippies im Verein mit der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung eine Veränderung zum Guten erhofften. Doch 1971 schien diese Hoffnung genauso tot zu sein wie Martin Luther King, die Kennedy-Brüder John Fitzgerald und Robert oder Malcolm X. Der Reaktionär Richard Nixon saß als Präsident im Weißen Haus, der Vietnamkrieg tobte. 1971 war kein gutes Jahr.
Nicht für Amerika, erst recht nicht für das schwarze Amerika. Darum blieb der Nummer-eins-Hit Family Affair der Lichtpunkt eines ansonsten düsteren Albums, das Musikgeschichte geschrieben hat: Vor 50 Jahren erschien There’s a Riot Going On von Sly & the Family Stone. Es brachte die Radikalisierung Amerikas in den Mainstream – mit neuen Methoden.
Antwort auf Marvin Gaye
Für die Kunst sind schlechte Zeiten oft gute Zeiten. 1971 war so ein Jahr. Auf dem Label Motown hatte Marvin Gaye ein sozialkritisches Konzeptalbum veröffentlicht: What’s Going On gilt als eines der besten Alben der Geschichte. Im selben Jahr veröffentlichte Isaac Hayes mit Black Moses ein Manifest schwarzen Selbstbewusstseins. In einem zur Kreuzform ausklappbaren Cover inszenierte er sich in Erlöserpose. Weniger abgehoben, aber dennoch high produzierte Sly Stewart There’s a Riot Going On. Es ist das gewagteste Werk dieser drei Meilensteine – und beantwortete Marvin Gayes Frage.
© Der Standart, Kultur, 29.11.2021